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Kunst

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Warum es unangebracht ist, Nacktheit in der Kunst zu sexualisieren

Warum es unangebracht ist, Nacktheit in der Kunst zu sexualisieren

Als wir das erste Mal unser Logo für unsere Website im Freundes- und Familienkreis vorgestellt haben, waren die Reaktionen gemischt. Die einen fanden es cool und gewagt, die anderen setzten unser Logo mit Erotik und Sex gleich. Warum die Frau denn so ihre Genitalien preisgebe. Zusammen mit unseren Namen würde man vielleicht auf falsche Gedanken kommen. Die Frau, die unser Logo ziert, befindet sich keineswegs in einem sexuellen Akt, weshalb die Sexualisierung der Abbildung, wie in anderen Fällen auch, nicht gerechtfertigt ist. Die abgebildete Frau, steht zu ihrer Selbst und ihrer Sexualität, dies war unsere Intention.


Die Scham vor der Nacktheit mag in unserer heutigen Gesellschaft vielleicht zurückgegangen sein, keinesfalls aber ihre Sexualisierung. In unserer heutigen Welt droht alles was nackt ist oder nur etwas Haut zeigt, sexualisiert zu werden. Keineswegs sollte dies toleriert werden.


Nacktheit in der Kunst ist unter den Künstlern und Kritikern bereits seit Beginn der Zeit ein beliebtes, aber kontroverses Thema.
Zwischen den Darstellungen von nackten Männern und nackten Frauen gibt es dabei große Unterschiede.
Der nackte Mann gilt historisch als ein Zeichen von Macht und wird aktiv dargestellt, während die nackte Frau Sex und Fruchtbarkeit signalisiert und passiv betrachtet werden soll.

Im antiken Griechenland zum Beispiel wurden Statuen kreiert, die heroische, nackte Männer darstellten. Der Mann wird als das Ideal abgebildet, das die Gesellschaft trägt, während der nackte Körper der Frau, sowie ihre Genitalien für lange Zeit tabuisiert wurden und als obszön und abwertend galten.
Als Ausnahme für die Widergabe der nackten Frau galten hier Religion oder Mythologie, in der die Frau oft als Symbol der Fruchtbarkeit genutzt wurde.
In dem Deutungsunterschied zwischen Mann und Frau wird also ersichtlich, dass der weibliche Körper in der Kunst, sowie anderen Teilen der Gesellschaft auch, von der Sexualisierung am stärksten betroffen ist.


Discobolos stellt einen ideal geformten männlichen Athleten dar, welcher Kraft und Heroismus widerspiegelt Aphrodite scheinbar beschämt durch ihre eigene Nacktheit repräsentiert in der griechischen Mythologie die Göttin der Liebe. Die Statue wurde zu ihrer Zeit zum Skandal erklärt


Im christlichen Zeitalter wurden alle Darstellungen von Nacktheit komplett zensiert.
Denn hier sah man, durch die Geschichte von Adam und Eva, den Körper als ein Motiv von Scham und Schuld, den man zu bedecken hat.
Später waren die ersten Künstler, die Frauen im europäischen Raum nackt abbildeten, ohne, dass es einen bestimmten Grund hatte, die Impressionisten wie Manet und sein „Frühstück im Grünen“. Er zeichnete als einer der ersten Personen eine nicht idealisierte Frau ab, die keinerlei Grund hatte, nackt zu sein. Ihre Nacktheit scheint gar etwas Natürliches zu sein, denn niemand scheint sich darum zu scheren. Für den Betrachter aber, sticht das nackte Modell zwischen ihrer bekleideten Begleitung hervor. Im 19. Jahrhundert wurde das Gemälde daher stark von der Öffentlichkeit kritisiert. Zum einen galt diese Art von Nacktheit nicht als legitim. Denn legitim war Nacktheit ja nur im Zusammenhang mit Religion, um auf die schandhafte Nacktheit Evas aufmerksam zu machen oder in der Mythologie. Des Weiteren wurde die Frau nicht idealisiert dargestellt, so dass man ihre Bauchfalten sehen kann.


Édouard Manet - Le Déjeuner sur l'herbe (Musée d'Orsay)


Manet's Werk wurde zu seiner Zeit sofort zum Skandal erklärt. Eine nackte Frau, begleitet von zwei bekleideten Männern, im Hintergrund eine leicht bekleidete Frau. Das Gemälde spiegelt das damalige Leben, geprägt von Prostitution und Zerfall der traditionellen Gesellschaftsordnungen wider.
Bei dem Modell handelt es sich um die Künstlerin Victorine Meurent.
Das Bild trug erst den Namen "Flotter Vierer"
Heute betrachtet man solche Bilder von nackten Frauen oft auch durch einen anderen Blickwinkel, denn die Darstellung von Frauen durch die männliche Perspektive ist problematisch. Vor allem, weil die Frau Jahrhunderte lang von dem Mann aus der Kunstwelt gedrängt wurde und sich so nie selbst darstellen konnte. Auch Kunstkritiker oder Personen mit einer Bildung in der Kunst waren historisch primär männlich. So sind die meisten Darstellungen von nackten Frauen von Männern für Männer gefertigt worden.


Verfälschung der Deutung

Nacktheit in der Kunst hat viele Nutzen.
Oft wird den Künstlern aber unterstellt, sie würden einen nackten Körper rein aus sexuellem Verlangen abbilden.
Dabei helfen zum Beispiel Aktzeichnungen den Künstlern, den menschlichen Körper zu verstehen, bei welchen Bewegungen, welcher Muskel angespannt wird, wie man das Fleisch des Körpers darzustellen hat, wie hell oder wie dunkel es zu malen ist.
Nichts zeigt sich in der Kunst effektiver, wie den menschlichen Körper in seiner natürlichen Form zu studieren.
Sicher liegt es hier in der Hand des Künstlers, wie sie/er das "Objekt", welches vor ihr/ihm posiert darstellt.
Oft ist es so, dass der Künstler das Modell bereits bei der Fertigung des Gemäldes sexualisiert, die Proportionen der Frau vielleicht bewusst verzerrt, wie beispielsweise Willem de Kooning. Dieser malte seine Frauen besonders verzerrt, während die großen Brüste selbst die Unordnung des Bildes durchdringen. Früher schon wurden seine Werke als frauenfeindlich angezweifelt, da er Frauen nicht ihre normalen Proportionen gewährte, sondern sie nach eigenem Gemüt entstellte, sie zunehmend hässlich mit Fratzen darstellte.


Willem de Kooning - Woman I


Trotz der Kritik durch die Öffentlichkeit verstand sich de Kooning nicht als frauenfeindlich. Er wolle mit seinen Frauen lediglich die Frau in ihm abbilden, als eine Art Wertschätzung. Hierbei fühlte er sich vor allem dem Chaos hingezogen, weshalb er seine Figuren verzerrt darstellte.
Auch wenn es nicht die Absicht des Künstlers war, Nacktheit als ein Zeichen von Sex zu nutzen, werden weibliche Körper in der Kunst sexualisiert. Eine Abbildung einer nackten oder leicht bekleideten Frau und gleich wird das gesagte Bild von der Öffentlichkeit verpönt, obwohl sie sich nicht in einem sexuellen Akt befindet. Immer wieder beschweren sich Leute auf Websites oder in Museumsforen darüber, dass Abbildungen von nackten Menschen, auch Männern, öffentlich gezeigt werden. Man würde den Kindern damit schaden, in dem man ihnen das Thema Sex offenbart. Das Problem liegt hier jedoch nicht in der Veröffentlichung eines Kunstwerkes, sondern in der Herangehensweise an das Gemälde.
Die sofortige Sexualisierung lässt keinerlei Raum, für eine adäquate Deutung des Bildes, so wie sie intentioniert war.
Dabei hat Nacktheit viele Deutungen und kann so zum Beispiel genutzt werden, um das Thema Zeit in den Hintergrund zu stellen. Ohne Kleidung ist es schwerer, das Gemälde in ein bestimmtes Zeitalter einzuordnen, so dass man der Thematik Universalität verleiht. Der Betrachter wird in seiner Deutung also weniger von der Zeit beeinflusst.
Zeigt man sich nicht offen für Nacktheit in der Kunst, wird die Deutung von der eigenen Scham und der gesellschaftlichen Obsession mit Sex verfälscht.


Nacktheit ist nicht gleich Sex

Allgemein ist die Darstellung von nackten Frauen als kritisch einzuschätzen, da es sich bei den Künstlern in den Museen meistens um Männer handelt, die ihre Modelle ebenfalls in eine passive Rolle schlüpfen ließen, um anschließend von den männlichen Betrachtern in der "High Society" als Objekt betrachtet zu werden. Die Sexualisierung von Frauen lässt sich in der Kunst finden, hat ihren Ursprung aber in unserer Gesellschaft. Hier werden Frauen immer wieder gegen ihren Willen als Objekt gesehen unter der Annahme, dass sie dem sexuellen Zwang unterlegen sind.

Es kommt einen so vor, als wäre die Frau nur zum Angucken gut, oder um sich an ihr aufzugeilen. Ein Opfer des „Male Gaze“. Fangen wir also an jegliche Kunstwerke zu sexualisieren, obwohl sie nicht als erotisch intendiert waren, bestätigt man die oben genannte Problematik. Man bekennt sich mit seiner eigenen Herangehensweise dazu, dass die Abbildung des nackten Körpers einer Frau nur mit Sex gleichgesetzt werden könne und lässt diesen Glauben weiterhin in der Gesellschaft gedeihen. Auch ein nackter Mann sollte nicht nur aufgrund dessen, dass er nackt ist, sexualisiert werden. Zu beachten ist hier aber wieder einmal die Geschichte der Kunst, in der man Frauen Jahrhunderte lang nicht gewährte, in der Kunstbranche tätig zu werden. So wurden Frauen meist aus der Perspektive von Männern dargestellt.

Da der nackte Körper seit langem schon nichts Natürliches mehr ist, bringt man seine entblößte Form meist unbewusst nur noch mit Sex in Verbindung, wobei er nicht das Synonym für Sex ist.

Ein nackter Körper in der Kunst ist nicht nur ein Zeichen von Sex, sondern trägt viele Bedeutungen. Nacktheit signalisiert Unschuld, Schwäche, Stärke, Emanzipation und Unterdrückung, sowie vieles mehr.


Einfluss auf Selbstbildnis

Wie bereits erwähnt, finden sich in Kunstforen immer wieder Leute, die Nacktheit in der Kunst aus den verschiedensten Gründen als unangebracht kritisieren.
Einer der Gründe scheint Sorge um die eigenen Kinder zu sein, die durch das Betrachten von Nacktheit in der Kunst angeblich sexualisiert werden.
Dabei ist es zweifelhaft, ob ein Kind tatsächlich beim Betrachten des Kunstwerkes an Sex denkt.

Von den Erwachsenen aber wird das Kunstwerk meist augenblicklich sexualisiert. Das Unbehagen kann sich hier auf das Kind übertragen, welches anfängt über Nacktheit zu denken, als sei es etwas Verbotenes oder gar Schandhaftes.

In Mädchen und Frauen kann hierbei der Glaube hervorgerufen werden, der eigene nackte Körper sei etwas, was immer mit Sex in Verbindung gebracht wird. Die eigene Entscheidungsmacht, wie man seinen eigenen Körper sieht, nackt oder mit Kleidung überzogen, rückt hierbei in den Hintergrund.
Vor allem die Kunstwelt ist schuld an dieser Problematik, da sie der Auslöser für solche oft unbewussten Sichtweisen des Betrachters ist. Denn sie hat die Menschen Jahrhunderte lang darauf konditioniert, die Frau als ein passives Objekt zu betrachten, in dem die Frau für lange Zeit aus der Kunstwelt ausgeschlossen wurde.

Leider wurden solche Themen in der Kunst aber nicht aufgearbeitet, da die Kunstwelt noch immer primär von Männern geleitet wird.
Natürlich können Frauen und Männer, wenn sie es wollen, sexuelle Wesen sein. Sie sollten aber nicht gegen ihren Willen in diese Rolle hineingedrängt werden, so dass sich das eigene Selbstbildnis negativ verändert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sexualisierung des nackten Körpers in der Kunst, insbesondere der der Frau, ihren Ursprung in der Unterdrückung der Frau findet.
Es ist daher unangebracht Abbildungen weiterhin zu sexualisieren, da man damit den Glauben aufrecht erhält die Frau wäre nur ein sexuelles Objekt, das von Männern angeschaut werden soll.

Gleiches gilt auch für die Sexualisierung des nackten Mannes, welcher allerdings nicht so stark betroffen ist, wie die Frau. Tatsächlich lassen sich heutzutage sogar kaum Kunstwerke finden, die einen nackten Mann darstellen. Unangebracht ist die Sexualisierung außerdem, da das Werk des Künstlers auf das Thema Sex reduziert wird, obwohl eine andere Intention dahintersteckt.

So lautet mein Appell offener mit der Nacktheit in der Kunst umzugehen, ihre vielen Bedeutungen zu würdigen, trotz dessen aber immer kritisch zu bleiben, in welchen Kontext diese Nacktheit auftritt.


Quellen:

Lenny: "Willem de Kooning – Biografie, Kunstwerke und Künstlerischer Einfluss", in: Das kreative Universum, 15.06.2019, URL: https://www.daskreativeuniversum.de/willem-de-kooning-biografie/, Abruf am 15.03.2021

Google Arts and Culture o.V.: "A Brief History of Nudes", in: Google Arts and Culture, URL: https://artsandculture.google.com/story/nsfw-a-brief-history-of-nudes/XwISmlY5uQWdJQ, Abruf am 13.03.2021

Yoder, Brian: "Nudity in Art: A Virtue or Vice?", in: Art Renewal Center, URL: https://artrenewal.org/Article/Title/nudity-in-art-a-virtue-or-vice, Abruf am 13.03.2021

Als wir das erste Mal unser Logo für unsere Website im Freundes- und Familienkreis vorgestellt haben, waren die Reaktionen gemischt. Die einen fanden es cool und gewagt, die anderen setzten unser Logo mit Erotik und Sex gleich. Warum die Frau denn so ihre Genitalien preisgebe. Zusammen mit unseren Namen würde man vielleicht auf falsche Gedanken kommen. Die Frau, die unser Logo ziert, befindet sich keineswegs in einem sexuellen Akt, weshalb die Sexualisierung der Abbildung, wie in anderen Fällen auch, nicht gerechtfertigt ist. Die abgebildete Frau, steht zu ihrer Selbst und ihrer Sexualität, dies war unsere Intention.


Die Scham vor der Nacktheit mag in unserer heutigen Gesellschaft vielleicht zurückgegangen sein, keinesfalls aber ihre Sexualisierung. In unserer heutigen Welt droht alles was nackt ist oder nur etwas Haut zeigt, sexualisiert zu werden. Keineswegs sollte dies toleriert werden.


Nacktheit in der Kunst ist unter den Künstlern und Kritikern bereits seit Beginn der Zeit ein beliebtes, aber kontroverses Thema.
Zwischen den Darstellungen von nackten Männern und nackten Frauen gibt es dabei große Unterschiede.
Der nackte Mann gilt historisch als ein Zeichen von Macht und wird aktiv dargestellt, während die nackte Frau Sex und Fruchtbarkeit signalisiert und passiv betrachtet werden soll.

Im antiken Griechenland zum Beispiel wurden Statuen kreiert, die heroische, nackte Männer darstellten. Der Mann wird als das Ideal abgebildet, das die Gesellschaft trägt, während der nackte Körper der Frau, sowie ihre Genitalien für lange Zeit tabuisiert wurden und als obszön und abwertend galten.
Als Ausnahme für die Widergabe der nackten Frau galten hier Religion oder Mythologie, in der die Frau oft als Symbol der Fruchtbarkeit genutzt wurde.
In dem Deutungsunterschied zwischen Mann und Frau wird also ersichtlich, dass der weibliche Körper in der Kunst, sowie anderen Teilen der Gesellschaft auch, von der Sexualisierung am stärksten betroffen ist.


Discobolos stellt einen ideal geformten männlichen Athleten dar, welcher Kraft und Heroismus widerspiegelt Aphrodite scheinbar beschämt durch ihre eigene Nacktheit repräsentiert in der griechischen Mythologie die Göttin der Liebe. Die Statue wurde zu ihrer Zeit zum Skandal erklärt


Im christlichen Zeitalter wurden alle Darstellungen von Nacktheit komplett zensiert.
Denn hier sah man, durch die Geschichte von Adam und Eva, den Körper als ein Motiv von Scham und Schuld, den man zu bedecken hat.
Später waren die ersten Künstler, die Frauen im europäischen Raum nackt abbildeten, ohne, dass es einen bestimmten Grund hatte, die Impressionisten wie Manet und sein „Frühstück im Grünen“. Er zeichnete als einer der ersten Personen eine nicht idealisierte Frau ab, die keinerlei Grund hatte, nackt zu sein. Ihre Nacktheit scheint gar etwas Natürliches zu sein, denn niemand scheint sich darum zu scheren. Für den Betrachter aber, sticht das nackte Modell zwischen ihrer bekleideten Begleitung hervor. Im 19. Jahrhundert wurde das Gemälde daher stark von der Öffentlichkeit kritisiert. Zum einen galt diese Art von Nacktheit nicht als legitim. Denn legitim war Nacktheit ja nur im Zusammenhang mit Religion, um auf die schandhafte Nacktheit Evas aufmerksam zu machen oder in der Mythologie. Des Weiteren wurde die Frau nicht idealisiert dargestellt, so dass man ihre Bauchfalten sehen kann.


Édouard Manet - Le Déjeuner sur l'herbe (Musée d'Orsay)


Manet's Werk wurde zu seiner Zeit sofort zum Skandal erklärt. Eine nackte Frau, begleitet von zwei bekleideten Männern, im Hintergrund eine leicht bekleidete Frau. Das Gemälde spiegelt das damalige Leben, geprägt von Prostitution und Zerfall der traditionellen Gesellschaftsordnungen wider.
Bei dem Modell handelt es sich um die Künstlerin Victorine Meurent.
Das Bild trug erst den Namen "Flotter Vierer"
Heute betrachtet man solche Bilder von nackten Frauen oft auch durch einen anderen Blickwinkel, denn die Darstellung von Frauen durch die männliche Perspektive ist problematisch. Vor allem, weil die Frau Jahrhunderte lang von dem Mann aus der Kunstwelt gedrängt wurde und sich so nie selbst darstellen konnte. Auch Kunstkritiker oder Personen mit einer Bildung in der Kunst waren historisch primär männlich. So sind die meisten Darstellungen von nackten Frauen von Männern für Männer gefertigt worden.


Verfälschung der Deutung

Nacktheit in der Kunst hat viele Nutzen.
Oft wird den Künstlern aber unterstellt, sie würden einen nackten Körper rein aus sexuellem Verlangen abbilden.
Dabei helfen zum Beispiel Aktzeichnungen den Künstlern, den menschlichen Körper zu verstehen, bei welchen Bewegungen, welcher Muskel angespannt wird, wie man das Fleisch des Körpers darzustellen hat, wie hell oder wie dunkel es zu malen ist.
Nichts zeigt sich in der Kunst effektiver, wie den menschlichen Körper in seiner natürlichen Form zu studieren.
Sicher liegt es hier in der Hand des Künstlers, wie sie/er das "Objekt", welches vor ihr/ihm posiert darstellt.
Oft ist es so, dass der Künstler das Modell bereits bei der Fertigung des Gemäldes sexualisiert, die Proportionen der Frau vielleicht bewusst verzerrt, wie beispielsweise Willem de Kooning. Dieser malte seine Frauen besonders verzerrt, während die großen Brüste selbst die Unordnung des Bildes durchdringen. Früher schon wurden seine Werke als frauenfeindlich angezweifelt, da er Frauen nicht ihre normalen Proportionen gewährte, sondern sie nach eigenem Gemüt entstellte, sie zunehmend hässlich mit Fratzen darstellte.


Willem de Kooning - Woman I


Trotz der Kritik durch die Öffentlichkeit verstand sich de Kooning nicht als frauenfeindlich. Er wolle mit seinen Frauen lediglich die Frau in ihm abbilden, als eine Art Wertschätzung. Hierbei fühlte er sich vor allem dem Chaos hingezogen, weshalb er seine Figuren verzerrt darstellte.
Auch wenn es nicht die Absicht des Künstlers war, Nacktheit als ein Zeichen von Sex zu nutzen, werden weibliche Körper in der Kunst sexualisiert. Eine Abbildung einer nackten oder leicht bekleideten Frau und gleich wird das gesagte Bild von der Öffentlichkeit verpönt, obwohl sie sich nicht in einem sexuellen Akt befindet. Immer wieder beschweren sich Leute auf Websites oder in Museumsforen darüber, dass Abbildungen von nackten Menschen, auch Männern, öffentlich gezeigt werden. Man würde den Kindern damit schaden, in dem man ihnen das Thema Sex offenbart. Das Problem liegt hier jedoch nicht in der Veröffentlichung eines Kunstwerkes, sondern in der Herangehensweise an das Gemälde.
Die sofortige Sexualisierung lässt keinerlei Raum, für eine adäquate Deutung des Bildes, so wie sie intentioniert war.
Dabei hat Nacktheit viele Deutungen und kann so zum Beispiel genutzt werden, um das Thema Zeit in den Hintergrund zu stellen. Ohne Kleidung ist es schwerer, das Gemälde in ein bestimmtes Zeitalter einzuordnen, so dass man der Thematik Universalität verleiht. Der Betrachter wird in seiner Deutung also weniger von der Zeit beeinflusst.
Zeigt man sich nicht offen für Nacktheit in der Kunst, wird die Deutung von der eigenen Scham und der gesellschaftlichen Obsession mit Sex verfälscht.


Nacktheit ist nicht gleich Sex

Allgemein ist die Darstellung von nackten Frauen als kritisch einzuschätzen, da es sich bei den Künstlern in den Museen meistens um Männer handelt, die ihre Modelle ebenfalls in eine passive Rolle schlüpfen ließen, um anschließend von den männlichen Betrachtern in der "High Society" als Objekt betrachtet zu werden. Die Sexualisierung von Frauen lässt sich in der Kunst finden, hat ihren Ursprung aber in unserer Gesellschaft. Hier werden Frauen immer wieder gegen ihren Willen als Objekt gesehen unter der Annahme, dass sie dem sexuellen Zwang unterlegen sind.

Es kommt einen so vor, als wäre die Frau nur zum Angucken gut, oder um sich an ihr aufzugeilen. Ein Opfer des „Male Gaze“. Fangen wir also an jegliche Kunstwerke zu sexualisieren, obwohl sie nicht als erotisch intendiert waren, bestätigt man die oben genannte Problematik. Man bekennt sich mit seiner eigenen Herangehensweise dazu, dass die Abbildung des nackten Körpers einer Frau nur mit Sex gleichgesetzt werden könne und lässt diesen Glauben weiterhin in der Gesellschaft gedeihen. Auch ein nackter Mann sollte nicht nur aufgrund dessen, dass er nackt ist, sexualisiert werden. Zu beachten ist hier aber wieder einmal die Geschichte der Kunst, in der man Frauen Jahrhunderte lang nicht gewährte, in der Kunstbranche tätig zu werden. So wurden Frauen meist aus der Perspektive von Männern dargestellt.

Da der nackte Körper seit langem schon nichts Natürliches mehr ist, bringt man seine entblößte Form meist unbewusst nur noch mit Sex in Verbindung, wobei er nicht das Synonym für Sex ist.

Ein nackter Körper in der Kunst ist nicht nur ein Zeichen von Sex, sondern trägt viele Bedeutungen. Nacktheit signalisiert Unschuld, Schwäche, Stärke, Emanzipation und Unterdrückung, sowie vieles mehr.


Einfluss auf Selbstbildnis

Wie bereits erwähnt, finden sich in Kunstforen immer wieder Leute, die Nacktheit in der Kunst aus den verschiedensten Gründen als unangebracht kritisieren.
Einer der Gründe scheint Sorge um die eigenen Kinder zu sein, die durch das Betrachten von Nacktheit in der Kunst angeblich sexualisiert werden.
Dabei ist es zweifelhaft, ob ein Kind tatsächlich beim Betrachten des Kunstwerkes an Sex denkt.

Von den Erwachsenen aber wird das Kunstwerk meist augenblicklich sexualisiert. Das Unbehagen kann sich hier auf das Kind übertragen, welches anfängt über Nacktheit zu denken, als sei es etwas Verbotenes oder gar Schandhaftes.

In Mädchen und Frauen kann hierbei der Glaube hervorgerufen werden, der eigene nackte Körper sei etwas, was immer mit Sex in Verbindung gebracht wird. Die eigene Entscheidungsmacht, wie man seinen eigenen Körper sieht, nackt oder mit Kleidung überzogen, rückt hierbei in den Hintergrund.
Vor allem die Kunstwelt ist schuld an dieser Problematik, da sie der Auslöser für solche oft unbewussten Sichtweisen des Betrachters ist. Denn sie hat die Menschen Jahrhunderte lang darauf konditioniert, die Frau als ein passives Objekt zu betrachten, in dem die Frau für lange Zeit aus der Kunstwelt ausgeschlossen wurde.

Leider wurden solche Themen in der Kunst aber nicht aufgearbeitet, da die Kunstwelt noch immer primär von Männern geleitet wird.
Natürlich können Frauen und Männer, wenn sie es wollen, sexuelle Wesen sein. Sie sollten aber nicht gegen ihren Willen in diese Rolle hineingedrängt werden, so dass sich das eigene Selbstbildnis negativ verändert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sexualisierung des nackten Körpers in der Kunst, insbesondere der der Frau, ihren Ursprung in der Unterdrückung der Frau findet.
Es ist daher unangebracht Abbildungen weiterhin zu sexualisieren, da man damit den Glauben aufrecht erhält die Frau wäre nur ein sexuelles Objekt, das von Männern angeschaut werden soll.

Gleiches gilt auch für die Sexualisierung des nackten Mannes, welcher allerdings nicht so stark betroffen ist, wie die Frau. Tatsächlich lassen sich heutzutage sogar kaum Kunstwerke finden, die einen nackten Mann darstellen. Unangebracht ist die Sexualisierung außerdem, da das Werk des Künstlers auf das Thema Sex reduziert wird, obwohl eine andere Intention dahintersteckt.

So lautet mein Appell offener mit der Nacktheit in der Kunst umzugehen, ihre vielen Bedeutungen zu würdigen, trotz dessen aber immer kritisch zu bleiben, in welchen Kontext diese Nacktheit auftritt.


Quellen:

Lenny: "Willem de Kooning – Biografie, Kunstwerke und Künstlerischer Einfluss", in: Das kreative Universum, 15.06.2019, URL: https://www.daskreativeuniversum.de/willem-de-kooning-biografie/, Abruf am 15.03.2021

Google Arts and Culture o.V.: "A Brief History of Nudes", in: Google Arts and Culture, URL: https://artsandculture.google.com/story/nsfw-a-brief-history-of-nudes/XwISmlY5uQWdJQ, Abruf am 13.03.2021

Yoder, Brian: "Nudity in Art: A Virtue or Vice?", in: Art Renewal Center, URL: https://artrenewal.org/Article/Title/nudity-in-art-a-virtue-or-vice, Abruf am 13.03.2021

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