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Woke Shit
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Josies Werke
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Playboy - Eine Zeitschrift der Widersprüche?
Playboy - Eine Zeitschrift der Widersprüche?

Hugh Hefner gründete 1953 das Männermagazin "Playboy" in welchem neben Abbildungen von nackten Frauen, intellektuelle wie auch politisch debattierende Artikel ihren Platz fanden.
Noch heute wird über "Hef" kontrovers diskutiert - entweder man bezeichnet ihn als eine Ikone, gar als einen Pionier seiner Zeit, der zu gesellschaftlichen und politischen Fortschritten beitrug, oder als einen Sexisten, welcher der Frauenbewegung und ihren Kampf um die Emanzipation große Steine in den Weg legte.
Zwei Argumente, die nicht kontrastreicher sein könnten und die Frage aufwerfen: Ist der Playboy nun ein glorifiziertes oder eins zu Unrecht beschuldigtes Medium?
Die 1950er Jahre - ein Jahrzehnt, in welchem die USA nach dem Leid des 2.Weltkrieges wirtschaftlichen Aufschwung erlebte; wo bunte Reklamen aufleuchteten und die Unterhaltungsbranche wieder an Publikum und Bedeutung gewann. Ein innovatives Produkt erschien auf dem Markt - der Fernseher - der den Amerikanern zu Hause eine Utopie ihres eigenen Landes vor Augen führte.
Die Filmindustrie in Hollywood prosperierte und neue, glamouröse Filmstars flammten auf den großen Bildschirmen der Kinosäle auf.
Unter ihnen Sexsymbole wie Elizabeth Taylor, Ava Gardner oder Marylin Monroe - Letztere erschien auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe des Playboys.
Denn Hugh Hefner ergatterte von einem kleinen Kalender-Verlag für nur $500 Nacktfotos von der eigentlich heißenden Norma Jeane Baker, auf denen sie liegend und errötend auf einem seidigen, roten Tuch posierte und die mit hoher Wahrscheinlichkeit Grund für den schnellen Erfolg des Männermagazins war.
"Golden Dreams", Marylin Monroe (1949)
Doch die 1950er Jahre stellten in Wahrheit ganz und gar nicht das Abbild einer märchenhaften, behüteten Zeit dar, wie es durch Medien propagiert wurde. Es war außerdem eine Zeit der Rassentrennung, wo farbige Amerikaner tagtäglich mit Rassismus und Ausgrenzung konfrontiert wurden, als auch mit der Angst, Opfer von Gräueltaten zu werden.
Doch dies war für Hugh Hefner unverständlich, und moralisch nie vertretbar gewesen. Im Oktober 1959 wurde zum ersten Mal seine Late-Night-Show „Playboy's Penthouse“ ausgestrahlt, welche er persönlich moderierte. Sie zeigte ein Apartment, wo legendäre Partys zwischen Cocktails, wildem Jazz und attraktiven, tanzenden Frauen wie auch Männern gefeiert wurden.
Die Zuschauer vor dem Fernseher fühlten sich involviert, indem Hefner sie durch die Kamera persönlich ansprach und in das Geschehen einführte.
Man diskutierte über politische Themen und lud nicht selten bekannte Künstler wie Tony Bennett oder Tony Curtis ein. Doch das Besondere war, dass durch die Sendung auch farbige Künstler*innen wie Sammy Davis Junior,
Nina Simone, aber auch unbekannte farbige oder gemischte Gruppen ihre Talente ausleben und für diese kurze Zeit das Rampenlicht spüren durften, was ihnen normalerweise aufgrund ihrer Hautfarbe verwehrt wurde.
„Wir luden die unterschiedlichsten Gäste und Künstler ein.
Rassistische Tabus gab es für mich nicht, aber diese Haltung war 1959 und 1960 sehr umstritten.“ Es wurde sogar über die Ungleichheit zwischen Farbigen und Weißen offen gesprochen, weshalb die Sendung nicht in den Südstaaten ausgestrahlt werden durfte. Am 29. Februar 1960 eröffnete der erste Playboy Club in Chicago. Hugh Hefner wollte eine weitere Plattform schaffen, durch welche die Leute ihre Fantasien ausleben konnten.
Hier servierten kurvenreiche, vollbusige Frauen in knappen Kostümen mit Hasenohren und Hasenschwanz die Drinks in den verrauchten Bars – in Begleitung mit ekstasischen Jazz Klängen und anstößigen Witzen der Komödianten.
Als die Popularität des Clubs stieg, begann man Lizenzen für das Clubkonzept zu vergeben. Als farbige Mitglieder jedoch in den neuen Clubs in New Orleans und
Miami abgewiesen wurden, gab Hefner den dortigen Managern schnell zu verstehen, dass jeder, egal ob schwarz oder weiß, das Recht auf eine Mitgliedschaft hätte. Er akzeptierte die gesetzlich verordnete Rassentrennung in den Südstaaten nicht und kaufte deshalb die Lizenzen zurück, sodass jeder wieder Eintritt erhielt.
Außerdem waren die 1950er Jahre eine sehr konservative Zeit, wo religiöse Werte die Grundlage für Politik und Moral begründeten. Geschlechterrollen waren tief in der Gesellschaft verwoben – Frauen sollten prüde, artig und bestmöglich früh verheiratet sein. Die lächelnde, nette Ehefrau hinter dem Herd; das war das wohl weit verbreitetste Bild in der Medienlandschaft.
Vorstädte mit unendlich vielen Häusern, grünem Rasen und weißen Gartenzäunen - alles in dieser Zeit schien romantisiert und idealisiert. Hinter dem Lächeln der Hausfrauen verbarg sich jedoch zumeist tiefe Unzufriedenheit. Dass durch den Playboy Sex und Lust in einer solch puritanischen Zeit in den USA thematisiert wurde, stieß bei der breiten Masse auf schnelle und heftige Gegenreaktionen. Man fürchtete die Zeitschrift könnte die bürgerliche Ordnung
schädigen. Charles Keating, Rechtsanwalt und Aktivist, nahm in den 50er Jahren öffentlich Stellung zum Playboy: „Jüdisch-christliche Werte bilden das Fundament unserer Kultur. Der Playboy verfolgt genau entgegengesetzte Ziele. Er propagiert Umsturz.“ Er gründete die Bewegung „Bürger für anständige Literatur“ - eine Zensurgruppe mit katholischen Wurzeln. „Ich halte den Playboy für eines der gefährlichsten Publikationen, die es heute gibt. Er ist genauso
gefährlich wie der Sozialismus.“ Hefner konnte und wollte die Frömmigkeit und die damit einhergehende Scheinheiligkeit des Landes nicht akzeptieren.
"Der Playboy ist gegen diese engen Gesellschaftsstrukturen; wir wollen ein natürliches Verhältnis zum Sex." - Hugh Hefner
Es war zudem die Zeit der sogenannten „Roten Angst“. Aufgrund des Kalten Krieges nahm die
USA eine antikommunistische Haltung ein. Das „Komitee gegen unamerikanische Umtriebe“ ermittelte gegen mögliche Anhänger des Kommunismus. Oft wurden unschuldige Leute angeklagt; besonders die Filmindustrie musste darunter leiden. Auch berühmte Persönlichkeiten, wie der Drehbuchautor Arthur Miller oder der Schauspieler Charlie Chaplin, waren gezwungen sich vor Gericht zu behaupten. Der wohl bekannteste Vertreter des Komitees war der Republikaner Joseph McCarthy durch welchen der Begriff „McCarthy-Ära“ geprägt wurde.
Dieser rief sogar dazu auf, seine eigenen Nachbarn mit kritischen Augen zu betrachten. Viele Menschen verloren gar ihre Arbeit, wenn sie fälschlicher Weise für Kommunisten gehalten wurden.
Hefner kritisierte diese hysterische Haltung der USA stark. „Ich dachte sie hätten den 2. Weltkrieg geführt, um solchen Dingen ein Ende zu bereiten. Das kam mir vor als würden wir uns in diejenigen verwandeln, die wir besiegt hatten.“ Im Playboy schrieb Hefner über Prominente, die auf der sogenannten schwarzen Liste standen, also über Künstler deren Werke verboten wurden, weil sie als kommunistisch galten. 1960 führte er einen Briefwechsel mit Ronald Reagan, den späteren 40. Präsidenten der USA. Reagan protestierte, dass er Kommunisten unterstützen würde. Hefner antwortete, dass diejenigen, die einen anderen Standpunkt vertreten als er, liberaler sein würden, aber trotzdem genauso amerikanisch seien. Damals hatte er jedoch nicht gewusst, dass Reagan heimlich mit dem FBI zusammenarbeitete und Hefners Namen weitergab.
In den 1960er Jahren gewann der Playboy eine noch größere Leserschaft. Ein wichtiger Grund dafür war, dass Hugh Hefner der jüngeren Generation eine Stimme verlieh – sowohl in der Zeitschrift, wo er stets den Dialog mit seinen Lesern suchte, als auch in der Show. Hier spielten Künstler Lieder, die sich gegen den Vietnam Krieg richteten und sich regierungskritisch äußerten. Genauso wie die jungen Leute hielt Hefner den Krieg für sinnlos. Auf einer seiner Partys erhielt er eine Anfrage von dem Schauspieler Yul Brynner. Er erzählte, dass er nicht wisse, wie er die Kriegswaisen aus Vietnam in die USA bringen sollte und ob Hefner die Babys nicht landesweit mit seinem Flugzeug, dem "Big Bunny", verteilen könnte. Er willigte sofort ein.
Die 60er Jahre waren nicht nur das Jahrzehnt der Bürgerrechtsbewegungen und der Hippies, sondern auch das Jahrzehnt der Frauen, die mehr Rechte einforderten. Hier machte sich erstmals bemerkbar, dass Hefner als ein Feind in den Augen vieler Feminist*innen angesehen wurde. Trotz seines Engagements bezüglich der Legalisierung von Verhütungsmitteln und Abtreibung, stilisierte er Frauen nach der Meinung der „Women's liberation movement“ als Objekte, gar als Produkte. Durch die erotisierende Darstellung sprach er dem weiblichem Geschlecht ein erneutes, entwürdigendes Rollenbild zu, aus dessen Ketten sich die Frauen schwer entreißen könnten. Im Jahre 1970 war Hefner als Gast in der „Dick Cavett Show“ eingeladen, als auch die Feministinnen Susan Brownmiller und Sally Kempton. Während der Show wurde Hefner stark kritisiert und als ein Unterdrücker bezeichnet. „Wir denken nicht, dass Männer ihre Macht und ihr Privileg so einfach aufgeben werden, weil sie davon profitieren Frauen zu unterdrücken. Das tun sie wirklich. Hefner erbaute sich ein ganzes Imperium basierend auf der Unterdrückung von Frauen.“ - So äußerte sich Susan Brownmiller. „In den Playboy Clubs im ganzen Land müssen Frauen diese lächerlichen Kostüme tragen, die ihnen jegliche Menschenwürde absprechen. Sie lassen sie wie Tiere aussehen.“
Abschließend lässt sich sagen, dass der Playboy ein Medium von historischer Bedeutung ist, das sich dem Fortschritt verschrieben hat. Hugh Hefner vermittelte mit seiner Denkweise Freiheit und das Kämpfen gegen gesellschaftliche Begrenzungen in jeglicher Art. Dennoch muss man bezüglich des Fortschritts zwischen Hefners Frauenbild und den anderen Sachverhalten differenzieren. In den 1950er Jahren sorgte er für die Befreiung der Frauen aus puritanischen Zwängen. Sex war ein tabuisiertes Thema, besonders für Frauen, die ihr Verlangen und ihre Sehnsüchte verstecken und unterdrücken mussten. Ihnen wurde das Recht auf eine sexuelle Identität genommen, doch durch den Playboy wurde das weibliche, sexuelle Verhalten thematisiert und somit normalisiert. Der Ausbruch aus dem frommen Bild der Frau bildete ein wichtiges Fundament für die Bewegung, die in den 60er Jahren ihren Ursprung fand – die sexuelle Revolution. Und auch dies ist ein wichtiges Element der Emanzipation. Dennoch sind die Beschuldigungen der Frauenbewegung berechtigt, wenn es darum geht, dass Hugh Hefner die Frauen ebenfalls in ein bestimmtes Rollenbild gezwängt hat. Spätestens nach den erreichten Fortschritten der 1960er Jahre hätte er dieses beengende Rollenmuster mehr aufbrechen müssen. Notwendig war Hefners Eingreifen in die Gesellschaft dennoch, um einen klaren Gegenpol zu schaffen, der die seit Jahrhunderten bestehende, fromme Darstellung von Frauen umstürzte. Es war wichtig Frauen zu bemächtigen, sich sexuell auszudrücken, jedoch waren die Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt und wieder nur von Männer Hand geschaffen - denn zwischen sexuell sein und zwischen sexualisiert werden gibt es einen fundamentalen Unterschied.
Quellen:
Witter, Brad: "Marilyn Monroe Didn't Actually Pose for the First Issue of 'Playboy'", in: biography.com, 13.12.2018, URL: https://www.biography.com/news/marilyn-monroe-playboy-first-issue-didnt-pose
Space and Nova Documentaries: "Hugh Hefner Playboy und Aktivist Doku Biographie, in: YouTube.com, 20.12.2016, URL: https://www.youtube.com/watch?v=qd9dljtdGuA
Hugh Hefner gründete 1953 das Männermagazin "Playboy" in welchem neben Abbildungen von nackten Frauen, intellektuelle wie auch politisch debattierende Artikel ihren Platz fanden.
Noch heute wird über "Hef" kontrovers diskutiert - entweder man bezeichnet ihn als eine Ikone, gar als einen Pionier seiner Zeit, der zu gesellschaftlichen und politischen Fortschritten beitrug, oder als einen Sexisten, welcher der Frauenbewegung und ihren Kampf um die Emanzipation große Steine in den Weg legte.
Zwei Argumente, die nicht kontrastreicher sein könnten und die Frage aufwerfen: Ist der Playboy nun ein glorifiziertes oder eins zu Unrecht beschuldigtes Medium?
Die 1950er Jahre - ein Jahrzehnt, in welchem die USA nach dem Leid des 2.Weltkrieges wirtschaftlichen Aufschwung erlebte; wo bunte Reklamen aufleuchteten und die Unterhaltungsbranche wieder an Publikum und Bedeutung gewann. Ein innovatives Produkt erschien auf dem Markt - der Fernseher - der den Amerikanern zu Hause eine Utopie ihres eigenen Landes vor Augen führte.
Die Filmindustrie in Hollywood prosperierte und neue, glamouröse Filmstars flammten auf den großen Bildschirmen der Kinosäle auf.
Unter ihnen Sexsymbole wie Elizabeth Taylor, Ava Gardner oder Marylin Monroe - Letztere erschien auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe des Playboys.
Denn Hugh Hefner ergatterte von einem kleinen Kalender-Verlag für nur $500 Nacktfotos von der eigentlich heißenden Norma Jeane Baker, auf denen sie liegend und errötend auf einem seidigen, roten Tuch posierte und die mit hoher Wahrscheinlichkeit Grund für den schnellen Erfolg des Männermagazins war.
"Golden Dreams", Marylin Monroe (1949)
Doch die 1950er Jahre stellten in Wahrheit ganz und gar nicht das Abbild einer märchenhaften, behüteten Zeit dar, wie es durch Medien propagiert wurde. Es war außerdem eine Zeit der Rassentrennung, wo farbige Amerikaner tagtäglich mit Rassismus und Ausgrenzung konfrontiert wurden, als auch mit der Angst, Opfer von Gräueltaten zu werden.
Doch dies war für Hugh Hefner unverständlich, und moralisch nie vertretbar gewesen. Im Oktober 1959 wurde zum ersten Mal seine Late-Night-Show „Playboy's Penthouse“ ausgestrahlt, welche er persönlich moderierte. Sie zeigte ein Apartment, wo legendäre Partys zwischen Cocktails, wildem Jazz und attraktiven, tanzenden Frauen wie auch Männern gefeiert wurden.
Die Zuschauer vor dem Fernseher fühlten sich involviert, indem Hefner sie durch die Kamera persönlich ansprach und in das Geschehen einführte.
Man diskutierte über politische Themen und lud nicht selten bekannte Künstler wie Tony Bennett oder Tony Curtis ein. Doch das Besondere war, dass durch die Sendung auch farbige Künstler*innen wie Sammy Davis Junior,
Nina Simone, aber auch unbekannte farbige oder gemischte Gruppen ihre Talente ausleben und für diese kurze Zeit das Rampenlicht spüren durften, was ihnen normalerweise aufgrund ihrer Hautfarbe verwehrt wurde.
„Wir luden die unterschiedlichsten Gäste und Künstler ein.
Rassistische Tabus gab es für mich nicht, aber diese Haltung war 1959 und 1960 sehr umstritten.“ Es wurde sogar über die Ungleichheit zwischen Farbigen und Weißen offen gesprochen, weshalb die Sendung nicht in den Südstaaten ausgestrahlt werden durfte. Am 29. Februar 1960 eröffnete der erste Playboy Club in Chicago. Hugh Hefner wollte eine weitere Plattform schaffen, durch welche die Leute ihre Fantasien ausleben konnten.
Hier servierten kurvenreiche, vollbusige Frauen in knappen Kostümen mit Hasenohren und Hasenschwanz die Drinks in den verrauchten Bars – in Begleitung mit ekstasischen Jazz Klängen und anstößigen Witzen der Komödianten.
Als die Popularität des Clubs stieg, begann man Lizenzen für das Clubkonzept zu vergeben. Als farbige Mitglieder jedoch in den neuen Clubs in New Orleans und
Miami abgewiesen wurden, gab Hefner den dortigen Managern schnell zu verstehen, dass jeder, egal ob schwarz oder weiß, das Recht auf eine Mitgliedschaft hätte. Er akzeptierte die gesetzlich verordnete Rassentrennung in den Südstaaten nicht und kaufte deshalb die Lizenzen zurück, sodass jeder wieder Eintritt erhielt.
Außerdem waren die 1950er Jahre eine sehr konservative Zeit, wo religiöse Werte die Grundlage für Politik und Moral begründeten. Geschlechterrollen waren tief in der Gesellschaft verwoben – Frauen sollten prüde, artig und bestmöglich früh verheiratet sein. Die lächelnde, nette Ehefrau hinter dem Herd; das war das wohl weit verbreitetste Bild in der Medienlandschaft.
Vorstädte mit unendlich vielen Häusern, grünem Rasen und weißen Gartenzäunen - alles in dieser Zeit schien romantisiert und idealisiert. Hinter dem Lächeln der Hausfrauen verbarg sich jedoch zumeist tiefe Unzufriedenheit. Dass durch den Playboy Sex und Lust in einer solch puritanischen Zeit in den USA thematisiert wurde, stieß bei der breiten Masse auf schnelle und heftige Gegenreaktionen. Man fürchtete die Zeitschrift könnte die bürgerliche Ordnung
schädigen. Charles Keating, Rechtsanwalt und Aktivist, nahm in den 50er Jahren öffentlich Stellung zum Playboy: „Jüdisch-christliche Werte bilden das Fundament unserer Kultur. Der Playboy verfolgt genau entgegengesetzte Ziele. Er propagiert Umsturz.“ Er gründete die Bewegung „Bürger für anständige Literatur“ - eine Zensurgruppe mit katholischen Wurzeln. „Ich halte den Playboy für eines der gefährlichsten Publikationen, die es heute gibt. Er ist genauso
gefährlich wie der Sozialismus.“ Hefner konnte und wollte die Frömmigkeit und die damit einhergehende Scheinheiligkeit des Landes nicht akzeptieren.
"Der Playboy ist gegen diese engen Gesellschaftsstrukturen; wir wollen ein natürliches Verhältnis zum Sex." - Hugh Hefner
Es war zudem die Zeit der sogenannten „Roten Angst“. Aufgrund des Kalten Krieges nahm die
USA eine antikommunistische Haltung ein. Das „Komitee gegen unamerikanische Umtriebe“ ermittelte gegen mögliche Anhänger des Kommunismus. Oft wurden unschuldige Leute angeklagt; besonders die Filmindustrie musste darunter leiden. Auch berühmte Persönlichkeiten, wie der Drehbuchautor Arthur Miller oder der Schauspieler Charlie Chaplin, waren gezwungen sich vor Gericht zu behaupten. Der wohl bekannteste Vertreter des Komitees war der Republikaner Joseph McCarthy durch welchen der Begriff „McCarthy-Ära“ geprägt wurde.
Dieser rief sogar dazu auf, seine eigenen Nachbarn mit kritischen Augen zu betrachten. Viele Menschen verloren gar ihre Arbeit, wenn sie fälschlicher Weise für Kommunisten gehalten wurden.
Hefner kritisierte diese hysterische Haltung der USA stark. „Ich dachte sie hätten den 2. Weltkrieg geführt, um solchen Dingen ein Ende zu bereiten. Das kam mir vor als würden wir uns in diejenigen verwandeln, die wir besiegt hatten.“ Im Playboy schrieb Hefner über Prominente, die auf der sogenannten schwarzen Liste standen, also über Künstler deren Werke verboten wurden, weil sie als kommunistisch galten. 1960 führte er einen Briefwechsel mit Ronald Reagan, den späteren 40. Präsidenten der USA. Reagan protestierte, dass er Kommunisten unterstützen würde. Hefner antwortete, dass diejenigen, die einen anderen Standpunkt vertreten als er, liberaler sein würden, aber trotzdem genauso amerikanisch seien. Damals hatte er jedoch nicht gewusst, dass Reagan heimlich mit dem FBI zusammenarbeitete und Hefners Namen weitergab.
In den 1960er Jahren gewann der Playboy eine noch größere Leserschaft. Ein wichtiger Grund dafür war, dass Hugh Hefner der jüngeren Generation eine Stimme verlieh – sowohl in der Zeitschrift, wo er stets den Dialog mit seinen Lesern suchte, als auch in der Show. Hier spielten Künstler Lieder, die sich gegen den Vietnam Krieg richteten und sich regierungskritisch äußerten. Genauso wie die jungen Leute hielt Hefner den Krieg für sinnlos. Auf einer seiner Partys erhielt er eine Anfrage von dem Schauspieler Yul Brynner. Er erzählte, dass er nicht wisse, wie er die Kriegswaisen aus Vietnam in die USA bringen sollte und ob Hefner die Babys nicht landesweit mit seinem Flugzeug, dem "Big Bunny", verteilen könnte. Er willigte sofort ein.
Die 60er Jahre waren nicht nur das Jahrzehnt der Bürgerrechtsbewegungen und der Hippies, sondern auch das Jahrzehnt der Frauen, die mehr Rechte einforderten. Hier machte sich erstmals bemerkbar, dass Hefner als ein Feind in den Augen vieler Feminist*innen angesehen wurde. Trotz seines Engagements bezüglich der Legalisierung von Verhütungsmitteln und Abtreibung, stilisierte er Frauen nach der Meinung der „Women's liberation movement“ als Objekte, gar als Produkte. Durch die erotisierende Darstellung sprach er dem weiblichem Geschlecht ein erneutes, entwürdigendes Rollenbild zu, aus dessen Ketten sich die Frauen schwer entreißen könnten. Im Jahre 1970 war Hefner als Gast in der „Dick Cavett Show“ eingeladen, als auch die Feministinnen Susan Brownmiller und Sally Kempton. Während der Show wurde Hefner stark kritisiert und als ein Unterdrücker bezeichnet. „Wir denken nicht, dass Männer ihre Macht und ihr Privileg so einfach aufgeben werden, weil sie davon profitieren Frauen zu unterdrücken. Das tun sie wirklich. Hefner erbaute sich ein ganzes Imperium basierend auf der Unterdrückung von Frauen.“ - So äußerte sich Susan Brownmiller. „In den Playboy Clubs im ganzen Land müssen Frauen diese lächerlichen Kostüme tragen, die ihnen jegliche Menschenwürde absprechen. Sie lassen sie wie Tiere aussehen.“
Abschließend lässt sich sagen, dass der Playboy ein Medium von historischer Bedeutung ist, das sich dem Fortschritt verschrieben hat. Hugh Hefner vermittelte mit seiner Denkweise Freiheit und das Kämpfen gegen gesellschaftliche Begrenzungen in jeglicher Art. Dennoch muss man bezüglich des Fortschritts zwischen Hefners Frauenbild und den anderen Sachverhalten differenzieren. In den 1950er Jahren sorgte er für die Befreiung der Frauen aus puritanischen Zwängen. Sex war ein tabuisiertes Thema, besonders für Frauen, die ihr Verlangen und ihre Sehnsüchte verstecken und unterdrücken mussten. Ihnen wurde das Recht auf eine sexuelle Identität genommen, doch durch den Playboy wurde das weibliche, sexuelle Verhalten thematisiert und somit normalisiert. Der Ausbruch aus dem frommen Bild der Frau bildete ein wichtiges Fundament für die Bewegung, die in den 60er Jahren ihren Ursprung fand – die sexuelle Revolution. Und auch dies ist ein wichtiges Element der Emanzipation. Dennoch sind die Beschuldigungen der Frauenbewegung berechtigt, wenn es darum geht, dass Hugh Hefner die Frauen ebenfalls in ein bestimmtes Rollenbild gezwängt hat. Spätestens nach den erreichten Fortschritten der 1960er Jahre hätte er dieses beengende Rollenmuster mehr aufbrechen müssen. Notwendig war Hefners Eingreifen in die Gesellschaft dennoch, um einen klaren Gegenpol zu schaffen, der die seit Jahrhunderten bestehende, fromme Darstellung von Frauen umstürzte. Es war wichtig Frauen zu bemächtigen, sich sexuell auszudrücken, jedoch waren die Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt und wieder nur von Männer Hand geschaffen - denn zwischen sexuell sein und zwischen sexualisiert werden gibt es einen fundamentalen Unterschied.
Quellen:
Witter, Brad: "Marilyn Monroe Didn't Actually Pose for the First Issue of 'Playboy'", in: biography.com, 13.12.2018, URL: https://www.biography.com/news/marilyn-monroe-playboy-first-issue-didnt-pose
Space and Nova Documentaries: "Hugh Hefner Playboy und Aktivist Doku Biographie, in: YouTube.com, 20.12.2016, URL: https://www.youtube.com/watch?v=qd9dljtdGuA
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