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Kunst

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Josies Werke

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Lana Del Rey - die amerikanische Mystique

Lana Del Rey - die amerikanische Mystique

Unendlich erstreckende Wüstenlandschaft – blauer, offener Himmel. Nie hätte Lana Del Rey den amerikanischen Geist besser einfangen können als jetzt: „With a fire for every experience and an obsession for freedom that terrified me to the point that I couldn't even talk about“, haucht sie leise in verträumter, zerbrechlicher Stimme im Hintergrund. Eine Hommage an das größte Reichtum, das die USA gelobt. Freiheit. In ihrem Musikvideo „Ride“ mag sie zu behaupten, die Freiheit nicht nur zu suchen, sondern sie tatsächlich gefunden zu haben. Sie bedient sich dabei an den alten, tief verwurzelten Glauben, dass man sie in der unaufhörlichen Bewegung findet und knüpft dabei, wie so häufig, an elementarer, amerikanischer Geschichte an. Frontier. Die Siedler und Millionen Einwanderer, die an der Ostküste nach langer Seeüberfahrt vor dem trägen, veralteten, monarchischen Europa flüchteten und von diesem Land von Visionen erfüllt, nach einem neuen Selbst strebten. Das sich ausweitende Land durch gewonnene Kriege und durch die Ausrottung von Millionen, unschuldiger Seelen... Die tiefe Überzeugung gen Westen die Erlösung zu finden bis zu dem Ende der goldenen, kalifornischen Küste. Wo so mancher Intellektuelle behauptet der Glaube daran sei nichts weiter als eine Illusion, erweist Lana Del Rey, wenn auch etwas naiv, den Mut und die Stärke ihn als eine Wahrheit darzustellen.


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Lana Del Rey im Musikvideo "Ride" (2012)


Wenn man die Karriere der eigentlich heißenden Elizabeth Grant rückwirkend betrachtet, erkennt man die Entwicklung von einer mysteriösen Popdiva voller Schwermut und Melancholie zu einer wahrhaftigen Poetin, die lyrisch mit jedem Album stärker wird, wenn auch dadurch immer weniger kommerziell und bekannt. Ihre Alben lassen sich wie rote Pinnnadeln auf einer Landkarte nachverfolgen. Zuerst zog sie damals als Lizzy Grant mit blondem Haar, Marilyn Monroe honorierend, durch verrauchte Bars in Brooklyn und sang in kratziger, jazziger Stimme wie eine alte, weise Frau über die Wunder und Eigenarten des Lebens. Irgendwann in diesem Zeitraum in den Anfang 2000ern, vor ihrem plötzlichen Durchbruch mit ihrem Lied „Video Games“ im Jahre 2011, muss sie ihre schicksalhafte Liebe getroffen haben, ihren angeblich gewalttätigen Exmann, dessen verursachter Schmerz bis heute die Quelle, das Triebwerk ihrer Lieder ist. Immer noch sehnsuchtsvoll und nostalgisch beschreibt sie ihre prägende Zeit der Liebe mit Poesie der Beat-Generation, Alkoholmissbrauch, Schallplatten Sammlungen und dem Gefühl der ewigen Jugend. Der Hang zur Glorifizierung, die sie nicht nur für ihr Liebesleben pflegt, sondern auch für die alten Zeiten der 1950er und 1960er Jahre, ist bis heute fester Bestandteil ihres Repertoires. Ob ihr Gebrauch an den weißen, idealisierten Nachkriegsamerika als eine politische Positionierung gedeutet werden sollte, oder als eine einfache künstlerische Ausdrucksform, sei jedem selbst überlassen – sie bleibt kontrovers und widersprüchlich wie ihre geliebte Heimat selbst. Besonders im letzten Jahr machte sich diese Kontroverse bemerkbar, als sie auf Instagram einen Beitrag namens "question for the culture" postete. Sie wies alle Anschuldigungen der letzten zehn Jahre antifeministisch zu sein zurück. "Ich habe es satt mir sagen zu lassen, ich würde Missbrauch glorifizieren, wenn ich in Wahrheit nur eine glamouröse Frau bin, die über die Realitäten singt, die für uns alle mit toxischen Beziehungen sehr präsent sind." Sie kritisierte die aufgesetzte Dominanz, das "happy face" und das vermehrt erzwungene sexuelle Auftreten von Künstlerinnen in der Musikbranche - es würde die Realität nicht wahrheitsgemäß widerspiegeln. Der fatale Fehlschlag dieses Beitrages bestand darin, dass sie, um ihre Argumente mit Beispielen zu untermauern, größtenteils farbige Künstlerinnen aufzählte - unter ihnen Beyoncé, Nicki Minaj, Cardi B und Doja Cat. Dieser Vergleich löste eine große Hasswelle auf Social Media aus, als auch zahlreiche Unterstellungen, Lana Del Rey wäre rassistisch oder sei sich zumindest ihrer weißen Privilegien nicht bewusst. Zwischen leidenschaftlichem Patriotismus und scharfer Kritik gegen die Politik ihres Landes, die sie wie zischende Pfeile in die Luft schießt, fällt es teils schwer die Künstlerin in einem klaren, in sich geschlossenem Bild zu erfassen - doch genau das macht auch ihren Charme aus.
Ein Beispiel: In ihrem Musikvideo „National Anthem“ im Jahre 2011 porträtierte sie die Blütezeit des weißen Amerikas, die der Präsidentschaft John F. Kennedys verdankt ist, der im Übrigen trotz seiner hochgelobten politischen, demokratischen Raffinesse nicht viel für die beginnende Bürgerkriegsbewegung unter der Führung Martin Luther Kings übrighatte. Jackie Kennedy prägte die Zeit ihres 1963 ermordeten Ehegatten als „Camelot“. Am Anfang des Videos singt Del Rey ein Geburtstagsständchen für den Präsidenten und verkörpert so nicht wie für den Rest des Stücks Jackie Kennedy, sondern Marilyn Monroe, der eine Affäre mit dem sexsüchtigen Präsidenten nachgesagt wurde. Hier verbindet sie auf intelligente Art und Weise kurz und bündig zwei legendenumwobene Leben und äußert ihre Solidarität für beide befeindeten Frauenparteien.


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Lana und A$AP Rocky (2011)


Ausgeschmückt mit höchster Form von Ästhetik und Idealen der 50er Jahre, zeichnet sie mit ihrem Lechzen nach erfüllter, exzessiver Liebe und eingespielten, perfekten Familienaufnahmen, eine märchenhafte Ära. John F. Kennedy wird aber von dem farbigen Rapper A$AP Rocky repräsentiert. Manche Leute würden die Idee als einen Geniestreich bezeichnen, andere wiederum würden sagen: „Da hat sie aber gerade noch so die Kurve gekriegt“.
Geht man den Verlauf ihrer Karriere chronologisch weiter – aus ihr ist längst eine Brünette Schönheit geworden – wandert sie von der Ost zur Westküste. Das Brooklyn Baby wird zur Venice Bitch und lässt das einst so strahlende, doch nun düstere New York ihrer Vergangenheit zurück und kommt auf der musikalischen Hochburg ihrer Idole an, wo man unter der glühenden, kalifornischen Sonne in Laurel Canyon mit viel Einbildungskraft noch immer den spirituellen, bewusstseinserweiternden Geist der einstigen Hippie Bewegung spüren kann. Hier nistet sie sich in psychedelischen Tönen ein und zeigt beispielsweise in ihrem Lied “Freaks” den langbärtigen Jim Morrison als einen Guru, den Gott einer Kommune, wo menschlicher Hochgenuss durch Liebe, Frieden und Gemeinschaft erreicht wird. Der musikalisch so talentierte, expressive Morrison, der 1968 mit 27 Jahren an einer Überdosis starb und seinem eigenen Genie unterlegen musste, scheint an mancher Stelle ironischerweise viel eher an den Mörder dieser strahlend-liberalen Zeit zu erinnern - Charles Manson. Der berüchtigte Psychopath brachte 1969 Anhänger seiner Hippie Kommune dazu, zahlreiche Morde an kalifornische Berühmtheiten zu begehen (unter den Leichen das schwangere Starlet Sharon Tate).


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"Norman Fucking Rockwell!" (2019)


In ihrem vorletzten Studioalbum "Norman Fucking Rockwell!" scheint sie endgültig in ihrer erwählten Heimat angekommen. Das Album gleicht einer Liebeserklärung. Mit ihrem Truck fährt sie verträumt die bunt leuchtenden Highways entlang - in dieser glamourösen Welt der Palmen könnte man meinen ihre rastlose Seele hätte endlich, hier am Ende des Landes, Halt gefunden, doch man wird während des Hörens das leichte Gefühl nicht los, das dem doch nicht so ist. Noch immer wartet sie sehnsuchtsvoll auf ihre große Liebe, die einfach nicht zurückkommen mag: “Now it's been years since I left New York And I've got a kid and two cats in the yard The California sun and the movie stars And I watched the skies getting light as I write As I think about those years [...]”
Zudem weist das 2019 erschienene Album kein amerikanisches Idyll auf, wie sich vielleicht anfangs durch den Titel vermuten lässt. (Norman Rockwell war ein berühmter Illustrator, der Jahrzehnte lang das allgemeine Verständnis der USA prägte. Durch seine Kunstwerke zauberte er eine unschuldige, romantisierende Sichtweise auf das amerikanische Leben.) Doch wenn man das Album Cover genauer beäugt, kommt die Schönheit der kalifornischen Küste durch Risse zum Erschüttern - im Hintergrund offenbaren sich Flammen und Rauch. In ihrem Lied “The Greatest” ist ihre politische Stimme klarer und deutlicher zu hören als je zuvor - sie thematisiert nicht nur ihren persönlichen Verlust und Nostalgie, sondern auch den kulturellen Verlust des Landes. “Kanye West is blonde and gone” - sie kritisiert die Solidarität, die Kanye West gegenüber Donald Trump äußerte. “L.A is in flames, it’s getting hot.” - der Klimawandel, der jährlich für immer wiederkehrende, schwere Brände in Kalifornien sorgt.


"Als Trump unser Präsident wurde, war es eine Niederlage für unser Land. Deine Unterstützung für ihn ist eine Niederlage für unsere Kultur." - Lana Del Rey via Twitter


Nein, ihr freier Geist findet keinen Halt und so zieht er wieder weiter; diesmal gen Osten. In den mittleren Westen. Das ländliche, breite Amerika, der Kern des Landes, wurde Thema ihres letzten Albums “Chemtrails over the Country Club”. Weg von den abstrakten Gedankengängen der Beatniks, den Halluzinationen und Drogenräusche der Hippies, findet sie ihre erwünschte Freiheit in der Sterilität des gewöhnlichen Lebens. Die letzte Stufe des Wahnsinns, die Überschreitung, das Erklimmen der Grenzen über gesellschaftliche Zwänge hinweg, ist zwangsläufig die Rückkehr ins Sein zu finden - in die Natur. Back to the roots. “I’m on the run with you my sweet love, there’s nothing wrong contemplating God. Watching the chemtrails over the country club.” Sie singt von Bibel Versen, Jesus und republikanisch-konservativen Country Clubs. Von Kondensstreifen am Himmel, verblassten Kindheitstagen am Pool, Juwelen, Kaffee trinken, Rollschuh fahren. Nach ihrem exzessiven Leben, das an so mancher Stelle an Zelda und F. Scott Fitzgerald erinnerte, findet sie nicht nur Reife, sondern nun auch endlich Ruhe. Hier knüpft sie an: an der Ursprungsgeschichte des amerikanischen Traumes. Koloniale Religionsgemeinschaften in der Weite des Landes. Eine Farm und leise Gebete.


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Unendlich erstreckende Wüstenlandschaft – blauer, offener Himmel. Nie hätte Lana Del Rey den amerikanischen Geist besser einfangen können als jetzt: „With a fire for every experience and an obsession for freedom that terrified me to the point that I couldn't even talk about“, haucht sie leise in verträumter, zerbrechlicher Stimme im Hintergrund. Eine Hommage an das größte Reichtum, das die USA gelobt. Freiheit. In ihrem Musikvideo „Ride“ mag sie zu behaupten, die Freiheit nicht nur zu suchen, sondern sie tatsächlich gefunden zu haben. Sie bedient sich dabei an den alten, tief verwurzelten Glauben, dass man sie in der unaufhörlichen Bewegung findet und knüpft dabei, wie so häufig, an elementarer, amerikanischer Geschichte an. Frontier. Die Siedler und Millionen Einwanderer, die an der Ostküste nach langer Seeüberfahrt vor dem trägen, veralteten, monarchischen Europa flüchteten und von diesem Land von Visionen erfüllt, nach einem neuen Selbst strebten. Das sich ausweitende Land durch gewonnene Kriege und durch die Ausrottung von Millionen, unschuldiger Seelen... Die tiefe Überzeugung gen Westen die Erlösung zu finden bis zu dem Ende der goldenen, kalifornischen Küste. Wo so mancher Intellektuelle behauptet der Glaube daran sei nichts weiter als eine Illusion, erweist Lana Del Rey, wenn auch etwas naiv, den Mut und die Stärke ihn als eine Wahrheit darzustellen.


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Lana Del Rey im Musikvideo "Ride" (2012)


Wenn man die Karriere der eigentlich heißenden Elizabeth Grant rückwirkend betrachtet, erkennt man die Entwicklung von einer mysteriösen Popdiva voller Schwermut und Melancholie zu einer wahrhaftigen Poetin, die lyrisch mit jedem Album stärker wird, wenn auch dadurch immer weniger kommerziell und bekannt. Ihre Alben lassen sich wie rote Pinnnadeln auf einer Landkarte nachverfolgen. Zuerst zog sie damals als Lizzy Grant mit blondem Haar, Marilyn Monroe honorierend, durch verrauchte Bars in Brooklyn und sang in kratziger, jazziger Stimme wie eine alte, weise Frau über die Wunder und Eigenarten des Lebens. Irgendwann in diesem Zeitraum in den Anfang 2000ern, vor ihrem plötzlichen Durchbruch mit ihrem Lied „Video Games“ im Jahre 2011, muss sie ihre schicksalhafte Liebe getroffen haben, ihren angeblich gewalttätigen Exmann, dessen verursachter Schmerz bis heute die Quelle, das Triebwerk ihrer Lieder ist. Immer noch sehnsuchtsvoll und nostalgisch beschreibt sie ihre prägende Zeit der Liebe mit Poesie der Beat-Generation, Alkoholmissbrauch, Schallplatten Sammlungen und dem Gefühl der ewigen Jugend. Der Hang zur Glorifizierung, die sie nicht nur für ihr Liebesleben pflegt, sondern auch für die alten Zeiten der 1950er und 1960er Jahre, ist bis heute fester Bestandteil ihres Repertoires. Ob ihr Gebrauch an den weißen, idealisierten Nachkriegsamerika als eine politische Positionierung gedeutet werden sollte, oder als eine einfache künstlerische Ausdrucksform, sei jedem selbst überlassen – sie bleibt kontrovers und widersprüchlich wie ihre geliebte Heimat selbst. Besonders im letzten Jahr machte sich diese Kontroverse bemerkbar, als sie auf Instagram einen Beitrag namens "question for the culture" postete. Sie wies alle Anschuldigungen der letzten zehn Jahre antifeministisch zu sein zurück. "Ich habe es satt mir sagen zu lassen, ich würde Missbrauch glorifizieren, wenn ich in Wahrheit nur eine glamouröse Frau bin, die über die Realitäten singt, die für uns alle mit toxischen Beziehungen sehr präsent sind." Sie kritisierte die aufgesetzte Dominanz, das "happy face" und das vermehrt erzwungene sexuelle Auftreten von Künstlerinnen in der Musikbranche - es würde die Realität nicht wahrheitsgemäß widerspiegeln. Der fatale Fehlschlag dieses Beitrages bestand darin, dass sie, um ihre Argumente mit Beispielen zu untermauern, größtenteils farbige Künstlerinnen aufzählte - unter ihnen Beyoncé, Nicki Minaj, Cardi B und Doja Cat. Dieser Vergleich löste eine große Hasswelle auf Social Media aus, als auch zahlreiche Unterstellungen, Lana Del Rey wäre rassistisch oder sei sich zumindest ihrer weißen Privilegien nicht bewusst. Zwischen leidenschaftlichem Patriotismus und scharfer Kritik gegen die Politik ihres Landes, die sie wie zischende Pfeile in die Luft schießt, fällt es teils schwer die Künstlerin in einem klaren, in sich geschlossenem Bild zu erfassen - doch genau das macht auch ihren Charme aus.
Ein Beispiel: In ihrem Musikvideo „National Anthem“ im Jahre 2011 porträtierte sie die Blütezeit des weißen Amerikas, die der Präsidentschaft John F. Kennedys verdankt ist, der im Übrigen trotz seiner hochgelobten politischen, demokratischen Raffinesse nicht viel für die beginnende Bürgerkriegsbewegung unter der Führung Martin Luther Kings übrighatte. Jackie Kennedy prägte die Zeit ihres 1963 ermordeten Ehegatten als „Camelot“. Am Anfang des Videos singt Del Rey ein Geburtstagsständchen für den Präsidenten und verkörpert so nicht wie für den Rest des Stücks Jackie Kennedy, sondern Marilyn Monroe, der eine Affäre mit dem sexsüchtigen Präsidenten nachgesagt wurde. Hier verbindet sie auf intelligente Art und Weise kurz und bündig zwei legendenumwobene Leben und äußert ihre Solidarität für beide befeindeten Frauenparteien.


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Lana und A$AP Rocky (2011)


Ausgeschmückt mit höchster Form von Ästhetik und Idealen der 50er Jahre, zeichnet sie mit ihrem Lechzen nach erfüllter, exzessiver Liebe und eingespielten, perfekten Familienaufnahmen, eine märchenhafte Ära. John F. Kennedy wird aber von dem farbigen Rapper A$AP Rocky repräsentiert. Manche Leute würden die Idee als einen Geniestreich bezeichnen, andere wiederum würden sagen: „Da hat sie aber gerade noch so die Kurve gekriegt“.
Geht man den Verlauf ihrer Karriere chronologisch weiter – aus ihr ist längst eine Brünette Schönheit geworden – wandert sie von der Ost zur Westküste. Das Brooklyn Baby wird zur Venice Bitch und lässt das einst so strahlende, doch nun düstere New York ihrer Vergangenheit zurück und kommt auf der musikalischen Hochburg ihrer Idole an, wo man unter der glühenden, kalifornischen Sonne in Laurel Canyon mit viel Einbildungskraft noch immer den spirituellen, bewusstseinserweiternden Geist der einstigen Hippie Bewegung spüren kann. Hier nistet sie sich in psychedelischen Tönen ein und zeigt beispielsweise in ihrem Lied “Freaks” den langbärtigen Jim Morrison als einen Guru, den Gott einer Kommune, wo menschlicher Hochgenuss durch Liebe, Frieden und Gemeinschaft erreicht wird. Der musikalisch so talentierte, expressive Morrison, der 1968 mit 27 Jahren an einer Überdosis starb und seinem eigenen Genie unterlegen musste, scheint an mancher Stelle ironischerweise viel eher an den Mörder dieser strahlend-liberalen Zeit zu erinnern - Charles Manson. Der berüchtigte Psychopath brachte 1969 Anhänger seiner Hippie Kommune dazu, zahlreiche Morde an kalifornische Berühmtheiten zu begehen (unter den Leichen das schwangere Starlet Sharon Tate).


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"Norman Fucking Rockwell!" (2019)


In ihrem vorletzten Studioalbum "Norman Fucking Rockwell!" scheint sie endgültig in ihrer erwählten Heimat angekommen. Das Album gleicht einer Liebeserklärung. Mit ihrem Truck fährt sie verträumt die bunt leuchtenden Highways entlang - in dieser glamourösen Welt der Palmen könnte man meinen ihre rastlose Seele hätte endlich, hier am Ende des Landes, Halt gefunden, doch man wird während des Hörens das leichte Gefühl nicht los, das dem doch nicht so ist. Noch immer wartet sie sehnsuchtsvoll auf ihre große Liebe, die einfach nicht zurückkommen mag: “Now it's been years since I left New York And I've got a kid and two cats in the yard The California sun and the movie stars And I watched the skies getting light as I write As I think about those years [...]”
Zudem weist das 2019 erschienene Album kein amerikanisches Idyll auf, wie sich vielleicht anfangs durch den Titel vermuten lässt. (Norman Rockwell war ein berühmter Illustrator, der Jahrzehnte lang das allgemeine Verständnis der USA prägte. Durch seine Kunstwerke zauberte er eine unschuldige, romantisierende Sichtweise auf das amerikanische Leben.) Doch wenn man das Album Cover genauer beäugt, kommt die Schönheit der kalifornischen Küste durch Risse zum Erschüttern - im Hintergrund offenbaren sich Flammen und Rauch. In ihrem Lied “The Greatest” ist ihre politische Stimme klarer und deutlicher zu hören als je zuvor - sie thematisiert nicht nur ihren persönlichen Verlust und Nostalgie, sondern auch den kulturellen Verlust des Landes. “Kanye West is blonde and gone” - sie kritisiert die Solidarität, die Kanye West gegenüber Donald Trump äußerte. “L.A is in flames, it’s getting hot.” - der Klimawandel, der jährlich für immer wiederkehrende, schwere Brände in Kalifornien sorgt.


"Als Trump unser Präsident wurde, war es eine Niederlage für unser Land. Deine Unterstützung für ihn ist eine Niederlage für unsere Kultur." - Lana Del Rey via Twitter


Nein, ihr freier Geist findet keinen Halt und so zieht er wieder weiter; diesmal gen Osten. In den mittleren Westen. Das ländliche, breite Amerika, der Kern des Landes, wurde Thema ihres letzten Albums “Chemtrails over the Country Club”. Weg von den abstrakten Gedankengängen der Beatniks, den Halluzinationen und Drogenräusche der Hippies, findet sie ihre erwünschte Freiheit in der Sterilität des gewöhnlichen Lebens. Die letzte Stufe des Wahnsinns, die Überschreitung, das Erklimmen der Grenzen über gesellschaftliche Zwänge hinweg, ist zwangsläufig die Rückkehr ins Sein zu finden - in die Natur. Back to the roots. “I’m on the run with you my sweet love, there’s nothing wrong contemplating God. Watching the chemtrails over the country club.” Sie singt von Bibel Versen, Jesus und republikanisch-konservativen Country Clubs. Von Kondensstreifen am Himmel, verblassten Kindheitstagen am Pool, Juwelen, Kaffee trinken, Rollschuh fahren. Nach ihrem exzessiven Leben, das an so mancher Stelle an Zelda und F. Scott Fitzgerald erinnerte, findet sie nicht nur Reife, sondern nun auch endlich Ruhe. Hier knüpft sie an: an der Ursprungsgeschichte des amerikanischen Traumes. Koloniale Religionsgemeinschaften in der Weite des Landes. Eine Farm und leise Gebete.


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