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Woke Shit

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Jung und Verloren

Jung und Verloren

Wer bist du?


Sei ehrlich zu dir selbst. Beantworte diese Frage, unabhängig von all diesen Umständen, all diese Umstände, von denen du dich zu oft abhängig machst. Und wenn du zu keiner Antwort kommst?
Ich nehme dir dies nicht übel. Ich kann es sogar zu einem bestimmten Ausmaß verstehen.
Am 23.04.2021 haben wir zum Thema „Jung und Verloren“ auf Instagram eine Umfrage gestartet. Laut dieser Umfrage fühlten sich von um die 30 befragten Followern 96% bereits einmal in ihrem Leben verloren.
Dies ist die eindeutige Mehrheit. Trotz dessen sehen sich noch immer viele allein in dieser Situation.


ree

Illustration "Jung und Verloren"


Verloren sein. Auf persönlicher Erfahrung basierend, geht verloren sein in vielen Fällen mit Selbstfindung und der Frage „Wer bin ich“ einher.
Warum weißt du nicht, wer du bist?
Ein Gefühl von innerer Leere ausgelöst durch eine fehlende Verbindung zu sich selbst.
Ein dumpfes Gefühl welches tief in einem lungert. Es zu romantisieren wäre falsch, denn für viele ist es unerträglich.
Wieso befindest gerade du dich in dieser Lage?
Es fällt schwer, dieses Gefühl klar zu definieren. Gleichzeitig möchte man es sich selbst nicht eingestehen. Du bist der/die Einzige, der/die so fühlt.
Ein Schweigen innerhalb unserer Gesellschaft. Dieser Gefühlslage scheint eine tiefe Scham beigelegt worden zu sein. Und wir selbst tragen diese Scham weiter, wenn wir uns nicht dafür entscheiden den Zirkel des Schweigens endgültig zu brechen.
In meinem Umfeld habe ich nie mitbekommen, wie eine ältere Person zugibt, sich einmal in ihren Leben verloren zu haben. Dabei zweifle ich an, dass sich dieses Gefühl für sie fremd anfühlt.
Vielleicht wissen sie selbst gerade nicht, wer sie wirklich sind. Vielleicht wussten sie es nie so richtig, weil ihnen nie die Freiheit gewährt wurde, dies herauszufinden.
Wer gibt schon gerne zu, dass man nicht die geringste Ahnung davon hat, was man hier eigentlich gerade tut, dass man sich eigentlich einfach nur umhertreiben lässt.
Wieso läufst du ständig vor dir selbst davon?
Ich weiß noch ganz genau, wie ich vor einigen Jahren keine Verbindung mehr zum Malen gespürt habe. Mich dagegen gewehrt habe und dann Angst bekommen habe, wieder anzufangen. Anzufangen inmitten all dieser unbeantworteten Fragen über meinem Selbst. Ich wollte mich und meine Emotionen auf Papier bringen.
Wie, wenn man sich nicht ansatzweise mehr selbst versteht?
Und wie meine Leidenschaft zunehmend schwand, so schien ich selbst davonzugleiten. Ich wollte malen, hatte aber keine Kraft dafür. Und dann war ich weg.
Ich habe mich Langezeit von diesem Umstand, meiner Kunst, dahintreiben lassen, so dass ich mich, als ich dies nicht mehr hatte, der unangenehmen Wahrheit hingeben musste, dass ich gar nicht wirklich wusste, wer ich war, ohne all das. Ich musste mich der Tatsache stellen, dass ich mich all zu sehr durch meine Leidenschaft definiert habe und mich infolgedessen verloren hatte. Meine Leidenschaft war kein Teil von mir, ich war ein Produkt meiner Leidenschaft.
Während ich dieses Problem erkannt habe, versuche ich noch immer herauszufinden, wer ich bin, ohne meine Kunst, wobei diese immer ein Teil von mir bleiben wird.
Ich bin noch immer auf der Suche nach mir selbst. Ich weiß, dass das okay ist und dass es okay ist, zuzugeben, sich verloren zu fühlen. Nicht ganz zu wissen, wo man mit sich und seinen Leben hinmöchte.
Ich weiß, dass es okay ist und ich weiß, nachdem ich mich anderen Menschen anvertraut habe, dass ich damit nicht allein bin.
Nach solch intimen Gesprächen hatte ich sogar immer das Gefühl der Lösung einen Schritt näher zu sein - mich weniger verloren zu fühlen.
Allen, die dies also lesen, sich einsam und verloren fühlen kann ich nur dazu raten, sich ebenfalls einer vertrauenswürdigen Person anzuvertrauen. Was uns in dem Falle erfreut hat war, dass die meisten Leute, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, bereits mit einer Person über ihre Probleme geredet haben. Denn bei einigen ist dies noch immer keine Selbstverständlichkeit. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass man jemanden bei sich hat, der einen zuhört und versteht.
Denn niemand sollte mit diesem Gefühl allein sein.
Nun habe ich einen Teil meiner eigenen Geschichte mit dem Gefühl sich verloren zu fühlen offenbart. Dabei äußert sich dieser Zustand bei jedem anders, genauso wie das Gefühl für jeden einen anderen Auslöser haben kann.
Einige fühlen sich aufgrund von Zukunftsängsten verloren, werden in eine missliche Lage gedrängt, in der sie für sich wenig Sinn sehen, andere fühlen sich einsam und verlieren sich hinsichtlich in dieser Einsamkeit, wieder andere verlieren sich aufgrund von Folgen physischer oder psychischer Erkrankungen. Vielleicht hat man auch selbst gerade etwas oder jemanden in seinem Leben verloren, genauso wie man Umstände in seinen Leben verlieren kann, von denen man sich abhängig gemacht hat, so dass man sich selbst auf ihnen begründet. Durch solch einen Verlust kann der eigene Sinn zunehmend schwinden. Und ohne einen Sinn im Leben scheint das eigene Selbstwertgefühl darunter zu leiden, so dass man sich zu verlieren droht.
Man klammert sich an seine Leidenschaft. Sie verleiht dir angeblich deinen Wert.
Man klammert sich an gute Schulnoten. Sie verleihen dir angeblich deinen Wert.
Man klammert sich an eine Person. Sie verleiht dir angeblich deinen Wert.
Man klammert sich an ein Ereignis. Es verleiht dir angeblich deinen Wert.
Ich möchte hiermit nicht sagen, dass man sich nicht über all diese Dinge definieren sollte, man sollte sich aber nicht von ihnen abhängig machen, da es sonst umso verheerender wäre, sollte ein Verlust dieser Dinge eintreten.
So sollte man vorerst seinen eigenen Wert ohne all diese Umstände verstehen.


Wer versucht sich selbst zu finden, wird sich erst einmal selbst verlieren müssen


Ich bin der Überzeugung, dass das Gefühl sich verloren zu fühlen besonders mit der eigenen Selbstfindung und dessen Ungewissheit verknüpft ist.
Wer bist du?
Diese Frage, die einen ständig auf den Fersen ist. Einen ständig verfolgt. Diese Frage, die leichtfertig in den Raum geworfen wird, während ihre Erwartungen schwer auf einen lasten.
Bereits seitdem ich denken kann, versucht sie von allen Seiten aus in mir einzudrängen. Von anderen wird dir diese Frage aufgezwungen, der Schule, deinen Eltern, deinen Freunden, den sozialen Medien und von dir wird sie weitergetragen, ohne eine genaue Antwort auf diese krankmachende Frage zu haben. Krankmachend, denn was ist, wenn man sich so sehr darauf beharrt, dass man sich selbst in dieser Frage verliert.
Warum reden wir uns selbst ein, dass wir ständig eine genaue Antwort auf uns selbst haben
Was wenn man sich für einen kurzen, manchmal scheinbar ewig andauernden Moment einfach nur verloren fühlt. Inmitten dieser Erkenntnis droht die Frage dich umso mehr zu erdrücken. Sie beängstigt dich. Du kriegst das Gefühl, den anderen unterlegen zu sein, abgehängt worden zu sein. Sie lässt dich nicht los und macht alles nur noch schlimmer.
Dabei reden wir uns ständig ein, dass wir nicht einfach so in unserer Gesellschaft 'umherschweben‘ könnten. Wir müssen etwas zu Gesellschaft beitragen, dürfen niemanden enttäuschen, denn wo liegt sonst unser Wert, wenn nicht in der falschen Anerkennung anderer? Unsere Gesellschaft scheint eine Antwort zu erwarten, dabei gewähren wir uns aber keine Zeit, uns inmitten all diesen Chaos zu finden, geschweige denn zu suchen. Wer gewährt uns diese Zeit, wenn nicht wir? Wir grenzen unsere Freiheit ein, in dem wir uns der Illusion hingeben, dass die „Gesellschaft“ uns in Ketten legen würde. Das Konstrukt der Gesellschaft wird genutzt, um uns selbst eine Rechtfertigung zu geben, uns einzuschränken. Wir halten die Annahme aufrecht, dass es auf uns nur eine feste Antwort geben kann, anstatt aus dieser Annahme auszubrechen.
Hinzu kommt, dass wir von den sozialen Medien in ein falsches Selbstbildnis hineindrängt werden.
Auf den sozialen Medien wird versucht uns eine Selbstfindung beizulegen, der man eine Universalität zuspricht, ohne zu beachten, dass nicht jeder das Gleiche benötigt, um sich erfüllt zu fühlen.
Das Gefühl sich verloren zu fühlen gibt es auf den sozialen Medien dabei kaum, wobei ich es als wichtig erachte, dass dieses Gefühl normalisiert wird, damit offen darüber geredet werden kann.
Allgemein besitzen wir eine verzerrte Wahrnehmung des Themas Selbstfindung. Ich bin der Meinung, dass dieser Prozess niemals endlich ist, so wie wir es uns manchmal erhoffen. Es wird keinen einzelnen Moment geben, in dem wir für immer zu uns selbst finden, so, dass wir uns nie wieder in unseren Leben verlieren würden. Sich verloren zu fühlen gehört für die meisten Menschen zum Leben dazu, nur muss das Ausmaß nicht immer das Gleiche sein.
Fühlen wir uns verloren, müssen wir uns uns selbst stellen. Wir können nicht länger vor uns davonlaufen. Das konnten wir eigentlich noch nie.
Fühlen wir uns verloren, sehe ich dies als Aufruf, sich selbst zuzuhören, um diesem Gefühl zu entweichen.
Sich verloren zu fühlen ist unangenehm, das heißt aber nicht, dass es immer etwas Negatives sein muss.
Verliert man sich, bekommt man selbst die Chance, sich wieder neu oder zum ersten Mal zu entdecken.
Inmitten all dieser Annahmen muss jedoch auch darauf hingewiesen werden, dass viele Menschen aufgrund ihrer sozialen Lage in ihrer Freiheit auf Selbstfindung eingeschränkt werden und somit auch die Gefahr sich zu verlieren zunimmt.
Das Leben vieler Menschen wird durch fehlende Chancen, fehlendes Geld, fehlende Stabilität und fehlende Gesundheit beeinflusst. Ohne solche Privilegien fällt es einen schwerer aus diesem Gefühl hinauszukommen, wobei es auch dann nicht vollkommen unmöglich ist.


Gefahr durch die Pandemie

Das Gefühl jung zu sein löst in vielen eine Aufbruchsstimmung aus. Ein Wunsch nach ewig anhaltender Freiheit. Reisen, feiern, neue Leute kennenlernen, Sex haben. Die Suche nach dir selbst.
All diese Verlangen, nur um dann die meiste Zeit allein zu Hause zu verbringen, um seine Uni/Schulzeit vorm Computer auszuleben.
Aufstehen, Arbeiten, Schlafen.
Ewig anhaltender Druck, statt innere Freiheit.
Verstärkte Angst vor der Zukunft, statt Selbstfindung.
Keinerlei Verständnis. Keinerlei Achtung. Keinerlei Unterstützung für den Wunsch nach Freiheit.
Selbst vor Corona war das nicht selbstverständlich.
Die Pandemie hat, für junge, aber auch ältere Menschen, die Chancen sich zu verlieren erhöht. In der Pandemie gibt es kaum bis keine Möglichkeiten, sich so auszuleben, wie man es sich in diesem Alter vorgestellt hatte. Unsere Freiheit ist eingeschränkt, es fällt schwerer aus dieser erdrückenden Gefühlslage herauszukommen.
Wer vorher bereits Angst vor der Zukunft hatte, dessen Ängste werden verschlimmert. Wer sich vorher schon einsam fühlte, wird weiter in die Einsamkeit hineingedrängt. Dazu kommt die fehlende Ablenkung und die immer schlechter werdende mentale Gesundheit junger Menschen.
Was macht es mit einen, wenn einem Träume und Chancen entrissen werden, wenn man Menschen an seiner Seite verliert, die sonst immer da waren?
Was macht es mit einen, wenn keinerlei Stabilität im Leben mehr gewährt wird, wenn die eigene Zukunft ungewiss bleibt.
Vieles scheint vor den eigenen Augen zu schwinden.
Dabei sehe ich zunehmend eine Gefahr, dass der Zustand sich verloren zu fühlen schnell in eine mentale Erkrankung, wie etwa in eine Depression oder zumindest in depressive Symptome umschwingt.
Unsere Gesellschaft hat dabei bereits vor der Pandemie bei der Bekämpfung von mentalen Krankheiten bei jungen Menschen versagt. Etwa ein Viertel junger Leute leiden so unter psychischen Erkrankungen [1].
Bereits in der Schulzeit fängt es an, dass man nie wirklich bei seinen psychischen Beschwerden unterstützt wurde. Nie wurde darüber richtig aufgeklärt, nie darüber geredet, nie wurde einem das Gefühl gegeben, dass man sich offen darüber äußern könnte.
Als Antwort wird der Fokus auf erledigte Schulaufgaben gelegt, der Druck Jahr für Jahr erhöht. Nicht erledigte Aufgaben werden bestraft, ohne nach den Gründen zu fragen.
Trotz dessen stützt Schule sich immer wieder auf Selbstfindung, obwohl sie ihre Schüler mit Richtlinien und immer unterdrückender werdenden Erwartungen in ihrer Freiheit, Zeit und Energie begrenzt.
Und auch Therapieplätze sind selten, so dass man sich oft auf lange Wartezeiten einstellen muss.
Zu Corona haben sich diese psychischen Beschwerden sogar noch einmal verschlimmert.
Viele leiden an depressiven Symptomen bis zur Depression oder Angstzuständen [2].
Und noch immer befasst sich niemand mit einer Lösung dieses Problems.
Wirtschaft muss hochgefahren werden, junge Leute werden dabei in ihrem eigenen Leiden zurückgelassen.
Wir fühlen uns verloren, denn wir wissen nicht wohin mit uns.
Am unangenehmsten ist es also, wenn dieses Gefühl eine Gefahr für die eigene mentale Gesundheit darstellt oder man sich selbst nicht mehr zu helfen weiß. Spätestens dann würde ich empfehlen, sich erst einmal einer vertrauenswürdigen Person anzuvertrauen, oder besser noch sich professionelle Hilfe zu suchen.
Hierfür könnt ihr zu euren Hausarzt gehen, um euch nach Therapeuten zu erkundigen.
Es kann aber sein, dass euch nach einem Erstgespräch längere Wartezeiten anstehen, bis ihr dann endgültig einen Platz bekommt, weshalb ich es für wichtig erachte, immer jemanden an seiner Seite zu haben, der einen während dieser Wartezeit unterstützen kann. Denn es ist wichtig, dass man nicht allein seine Probleme bewältigen muss.


Quellen:

[1] Mihm, Andreas: "Jeder vierte junge Mensch hat psychische Probleme.", in: faz.net, 22.02.2018, URL: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/depressionen-jeder-vierte-junge-mensch-hat-psychische-probleme-15462273.html, Abruf am: 21.04.2021

[2] Unicef o.V.: „The impact of COVID-19 on the mental health of adolescents and youth.“, in: unicef.org, URL: https://www.unicef.org/lac/en/impact-covid-19-mental-health-adolescents-and-youth, Abruf am: 21.04.2021

Wer bist du?


Sei ehrlich zu dir selbst. Beantworte diese Frage, unabhängig von all diesen Umständen, all diese Umstände, von denen du dich zu oft abhängig machst. Und wenn du zu keiner Antwort kommst?
Ich nehme dir dies nicht übel. Ich kann es sogar zu einem bestimmten Ausmaß verstehen.
Am 23.04.2021 haben wir zum Thema „Jung und Verloren“ auf Instagram eine Umfrage gestartet. Laut dieser Umfrage fühlten sich von um die 30 befragten Followern 96% bereits einmal in ihrem Leben verloren.
Dies ist die eindeutige Mehrheit. Trotz dessen sehen sich noch immer viele allein in dieser Situation.


ree

Illustration "Jung und Verloren"


Verloren sein. Auf persönlicher Erfahrung basierend, geht verloren sein in vielen Fällen mit Selbstfindung und der Frage „Wer bin ich“ einher.
Warum weißt du nicht, wer du bist?
Ein Gefühl von innerer Leere ausgelöst durch eine fehlende Verbindung zu sich selbst.
Ein dumpfes Gefühl welches tief in einem lungert. Es zu romantisieren wäre falsch, denn für viele ist es unerträglich.
Wieso befindest gerade du dich in dieser Lage?
Es fällt schwer, dieses Gefühl klar zu definieren. Gleichzeitig möchte man es sich selbst nicht eingestehen. Du bist der/die Einzige, der/die so fühlt.
Ein Schweigen innerhalb unserer Gesellschaft. Dieser Gefühlslage scheint eine tiefe Scham beigelegt worden zu sein. Und wir selbst tragen diese Scham weiter, wenn wir uns nicht dafür entscheiden den Zirkel des Schweigens endgültig zu brechen.
In meinem Umfeld habe ich nie mitbekommen, wie eine ältere Person zugibt, sich einmal in ihren Leben verloren zu haben. Dabei zweifle ich an, dass sich dieses Gefühl für sie fremd anfühlt.
Vielleicht wissen sie selbst gerade nicht, wer sie wirklich sind. Vielleicht wussten sie es nie so richtig, weil ihnen nie die Freiheit gewährt wurde, dies herauszufinden.
Wer gibt schon gerne zu, dass man nicht die geringste Ahnung davon hat, was man hier eigentlich gerade tut, dass man sich eigentlich einfach nur umhertreiben lässt.
Wieso läufst du ständig vor dir selbst davon?
Ich weiß noch ganz genau, wie ich vor einigen Jahren keine Verbindung mehr zum Malen gespürt habe. Mich dagegen gewehrt habe und dann Angst bekommen habe, wieder anzufangen. Anzufangen inmitten all dieser unbeantworteten Fragen über meinem Selbst. Ich wollte mich und meine Emotionen auf Papier bringen.
Wie, wenn man sich nicht ansatzweise mehr selbst versteht?
Und wie meine Leidenschaft zunehmend schwand, so schien ich selbst davonzugleiten. Ich wollte malen, hatte aber keine Kraft dafür. Und dann war ich weg.
Ich habe mich Langezeit von diesem Umstand, meiner Kunst, dahintreiben lassen, so dass ich mich, als ich dies nicht mehr hatte, der unangenehmen Wahrheit hingeben musste, dass ich gar nicht wirklich wusste, wer ich war, ohne all das. Ich musste mich der Tatsache stellen, dass ich mich all zu sehr durch meine Leidenschaft definiert habe und mich infolgedessen verloren hatte. Meine Leidenschaft war kein Teil von mir, ich war ein Produkt meiner Leidenschaft.
Während ich dieses Problem erkannt habe, versuche ich noch immer herauszufinden, wer ich bin, ohne meine Kunst, wobei diese immer ein Teil von mir bleiben wird.
Ich bin noch immer auf der Suche nach mir selbst. Ich weiß, dass das okay ist und dass es okay ist, zuzugeben, sich verloren zu fühlen. Nicht ganz zu wissen, wo man mit sich und seinen Leben hinmöchte.
Ich weiß, dass es okay ist und ich weiß, nachdem ich mich anderen Menschen anvertraut habe, dass ich damit nicht allein bin.
Nach solch intimen Gesprächen hatte ich sogar immer das Gefühl der Lösung einen Schritt näher zu sein - mich weniger verloren zu fühlen.
Allen, die dies also lesen, sich einsam und verloren fühlen kann ich nur dazu raten, sich ebenfalls einer vertrauenswürdigen Person anzuvertrauen. Was uns in dem Falle erfreut hat war, dass die meisten Leute, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, bereits mit einer Person über ihre Probleme geredet haben. Denn bei einigen ist dies noch immer keine Selbstverständlichkeit. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass man jemanden bei sich hat, der einen zuhört und versteht.
Denn niemand sollte mit diesem Gefühl allein sein.
Nun habe ich einen Teil meiner eigenen Geschichte mit dem Gefühl sich verloren zu fühlen offenbart. Dabei äußert sich dieser Zustand bei jedem anders, genauso wie das Gefühl für jeden einen anderen Auslöser haben kann.
Einige fühlen sich aufgrund von Zukunftsängsten verloren, werden in eine missliche Lage gedrängt, in der sie für sich wenig Sinn sehen, andere fühlen sich einsam und verlieren sich hinsichtlich in dieser Einsamkeit, wieder andere verlieren sich aufgrund von Folgen physischer oder psychischer Erkrankungen. Vielleicht hat man auch selbst gerade etwas oder jemanden in seinem Leben verloren, genauso wie man Umstände in seinen Leben verlieren kann, von denen man sich abhängig gemacht hat, so dass man sich selbst auf ihnen begründet. Durch solch einen Verlust kann der eigene Sinn zunehmend schwinden. Und ohne einen Sinn im Leben scheint das eigene Selbstwertgefühl darunter zu leiden, so dass man sich zu verlieren droht.
Man klammert sich an seine Leidenschaft. Sie verleiht dir angeblich deinen Wert.
Man klammert sich an gute Schulnoten. Sie verleihen dir angeblich deinen Wert.
Man klammert sich an eine Person. Sie verleiht dir angeblich deinen Wert.
Man klammert sich an ein Ereignis. Es verleiht dir angeblich deinen Wert.
Ich möchte hiermit nicht sagen, dass man sich nicht über all diese Dinge definieren sollte, man sollte sich aber nicht von ihnen abhängig machen, da es sonst umso verheerender wäre, sollte ein Verlust dieser Dinge eintreten.
So sollte man vorerst seinen eigenen Wert ohne all diese Umstände verstehen.


Wer versucht sich selbst zu finden, wird sich erst einmal selbst verlieren müssen


Ich bin der Überzeugung, dass das Gefühl sich verloren zu fühlen besonders mit der eigenen Selbstfindung und dessen Ungewissheit verknüpft ist.
Wer bist du?
Diese Frage, die einen ständig auf den Fersen ist. Einen ständig verfolgt. Diese Frage, die leichtfertig in den Raum geworfen wird, während ihre Erwartungen schwer auf einen lasten.
Bereits seitdem ich denken kann, versucht sie von allen Seiten aus in mir einzudrängen. Von anderen wird dir diese Frage aufgezwungen, der Schule, deinen Eltern, deinen Freunden, den sozialen Medien und von dir wird sie weitergetragen, ohne eine genaue Antwort auf diese krankmachende Frage zu haben. Krankmachend, denn was ist, wenn man sich so sehr darauf beharrt, dass man sich selbst in dieser Frage verliert.
Warum reden wir uns selbst ein, dass wir ständig eine genaue Antwort auf uns selbst haben
Was wenn man sich für einen kurzen, manchmal scheinbar ewig andauernden Moment einfach nur verloren fühlt. Inmitten dieser Erkenntnis droht die Frage dich umso mehr zu erdrücken. Sie beängstigt dich. Du kriegst das Gefühl, den anderen unterlegen zu sein, abgehängt worden zu sein. Sie lässt dich nicht los und macht alles nur noch schlimmer.
Dabei reden wir uns ständig ein, dass wir nicht einfach so in unserer Gesellschaft 'umherschweben‘ könnten. Wir müssen etwas zu Gesellschaft beitragen, dürfen niemanden enttäuschen, denn wo liegt sonst unser Wert, wenn nicht in der falschen Anerkennung anderer? Unsere Gesellschaft scheint eine Antwort zu erwarten, dabei gewähren wir uns aber keine Zeit, uns inmitten all diesen Chaos zu finden, geschweige denn zu suchen. Wer gewährt uns diese Zeit, wenn nicht wir? Wir grenzen unsere Freiheit ein, in dem wir uns der Illusion hingeben, dass die „Gesellschaft“ uns in Ketten legen würde. Das Konstrukt der Gesellschaft wird genutzt, um uns selbst eine Rechtfertigung zu geben, uns einzuschränken. Wir halten die Annahme aufrecht, dass es auf uns nur eine feste Antwort geben kann, anstatt aus dieser Annahme auszubrechen.
Hinzu kommt, dass wir von den sozialen Medien in ein falsches Selbstbildnis hineindrängt werden.
Auf den sozialen Medien wird versucht uns eine Selbstfindung beizulegen, der man eine Universalität zuspricht, ohne zu beachten, dass nicht jeder das Gleiche benötigt, um sich erfüllt zu fühlen.
Das Gefühl sich verloren zu fühlen gibt es auf den sozialen Medien dabei kaum, wobei ich es als wichtig erachte, dass dieses Gefühl normalisiert wird, damit offen darüber geredet werden kann.
Allgemein besitzen wir eine verzerrte Wahrnehmung des Themas Selbstfindung. Ich bin der Meinung, dass dieser Prozess niemals endlich ist, so wie wir es uns manchmal erhoffen. Es wird keinen einzelnen Moment geben, in dem wir für immer zu uns selbst finden, so, dass wir uns nie wieder in unseren Leben verlieren würden. Sich verloren zu fühlen gehört für die meisten Menschen zum Leben dazu, nur muss das Ausmaß nicht immer das Gleiche sein.
Fühlen wir uns verloren, müssen wir uns uns selbst stellen. Wir können nicht länger vor uns davonlaufen. Das konnten wir eigentlich noch nie.
Fühlen wir uns verloren, sehe ich dies als Aufruf, sich selbst zuzuhören, um diesem Gefühl zu entweichen.
Sich verloren zu fühlen ist unangenehm, das heißt aber nicht, dass es immer etwas Negatives sein muss.
Verliert man sich, bekommt man selbst die Chance, sich wieder neu oder zum ersten Mal zu entdecken.
Inmitten all dieser Annahmen muss jedoch auch darauf hingewiesen werden, dass viele Menschen aufgrund ihrer sozialen Lage in ihrer Freiheit auf Selbstfindung eingeschränkt werden und somit auch die Gefahr sich zu verlieren zunimmt.
Das Leben vieler Menschen wird durch fehlende Chancen, fehlendes Geld, fehlende Stabilität und fehlende Gesundheit beeinflusst. Ohne solche Privilegien fällt es einen schwerer aus diesem Gefühl hinauszukommen, wobei es auch dann nicht vollkommen unmöglich ist.


Gefahr durch die Pandemie

Das Gefühl jung zu sein löst in vielen eine Aufbruchsstimmung aus. Ein Wunsch nach ewig anhaltender Freiheit. Reisen, feiern, neue Leute kennenlernen, Sex haben. Die Suche nach dir selbst.
All diese Verlangen, nur um dann die meiste Zeit allein zu Hause zu verbringen, um seine Uni/Schulzeit vorm Computer auszuleben.
Aufstehen, Arbeiten, Schlafen.
Ewig anhaltender Druck, statt innere Freiheit.
Verstärkte Angst vor der Zukunft, statt Selbstfindung.
Keinerlei Verständnis. Keinerlei Achtung. Keinerlei Unterstützung für den Wunsch nach Freiheit.
Selbst vor Corona war das nicht selbstverständlich.
Die Pandemie hat, für junge, aber auch ältere Menschen, die Chancen sich zu verlieren erhöht. In der Pandemie gibt es kaum bis keine Möglichkeiten, sich so auszuleben, wie man es sich in diesem Alter vorgestellt hatte. Unsere Freiheit ist eingeschränkt, es fällt schwerer aus dieser erdrückenden Gefühlslage herauszukommen.
Wer vorher bereits Angst vor der Zukunft hatte, dessen Ängste werden verschlimmert. Wer sich vorher schon einsam fühlte, wird weiter in die Einsamkeit hineingedrängt. Dazu kommt die fehlende Ablenkung und die immer schlechter werdende mentale Gesundheit junger Menschen.
Was macht es mit einen, wenn einem Träume und Chancen entrissen werden, wenn man Menschen an seiner Seite verliert, die sonst immer da waren?
Was macht es mit einen, wenn keinerlei Stabilität im Leben mehr gewährt wird, wenn die eigene Zukunft ungewiss bleibt.
Vieles scheint vor den eigenen Augen zu schwinden.
Dabei sehe ich zunehmend eine Gefahr, dass der Zustand sich verloren zu fühlen schnell in eine mentale Erkrankung, wie etwa in eine Depression oder zumindest in depressive Symptome umschwingt.
Unsere Gesellschaft hat dabei bereits vor der Pandemie bei der Bekämpfung von mentalen Krankheiten bei jungen Menschen versagt. Etwa ein Viertel junger Leute leiden so unter psychischen Erkrankungen [1].
Bereits in der Schulzeit fängt es an, dass man nie wirklich bei seinen psychischen Beschwerden unterstützt wurde. Nie wurde darüber richtig aufgeklärt, nie darüber geredet, nie wurde einem das Gefühl gegeben, dass man sich offen darüber äußern könnte.
Als Antwort wird der Fokus auf erledigte Schulaufgaben gelegt, der Druck Jahr für Jahr erhöht. Nicht erledigte Aufgaben werden bestraft, ohne nach den Gründen zu fragen.
Trotz dessen stützt Schule sich immer wieder auf Selbstfindung, obwohl sie ihre Schüler mit Richtlinien und immer unterdrückender werdenden Erwartungen in ihrer Freiheit, Zeit und Energie begrenzt.
Und auch Therapieplätze sind selten, so dass man sich oft auf lange Wartezeiten einstellen muss.
Zu Corona haben sich diese psychischen Beschwerden sogar noch einmal verschlimmert.
Viele leiden an depressiven Symptomen bis zur Depression oder Angstzuständen [2].
Und noch immer befasst sich niemand mit einer Lösung dieses Problems.
Wirtschaft muss hochgefahren werden, junge Leute werden dabei in ihrem eigenen Leiden zurückgelassen.
Wir fühlen uns verloren, denn wir wissen nicht wohin mit uns.
Am unangenehmsten ist es also, wenn dieses Gefühl eine Gefahr für die eigene mentale Gesundheit darstellt oder man sich selbst nicht mehr zu helfen weiß. Spätestens dann würde ich empfehlen, sich erst einmal einer vertrauenswürdigen Person anzuvertrauen, oder besser noch sich professionelle Hilfe zu suchen.
Hierfür könnt ihr zu euren Hausarzt gehen, um euch nach Therapeuten zu erkundigen.
Es kann aber sein, dass euch nach einem Erstgespräch längere Wartezeiten anstehen, bis ihr dann endgültig einen Platz bekommt, weshalb ich es für wichtig erachte, immer jemanden an seiner Seite zu haben, der einen während dieser Wartezeit unterstützen kann. Denn es ist wichtig, dass man nicht allein seine Probleme bewältigen muss.


Quellen:

[1] Mihm, Andreas: "Jeder vierte junge Mensch hat psychische Probleme.", in: faz.net, 22.02.2018, URL: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/depressionen-jeder-vierte-junge-mensch-hat-psychische-probleme-15462273.html, Abruf am: 21.04.2021

[2] Unicef o.V.: „The impact of COVID-19 on the mental health of adolescents and youth.“, in: unicef.org, URL: https://www.unicef.org/lac/en/impact-covid-19-mental-health-adolescents-and-youth, Abruf am: 21.04.2021

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