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Woke Shit

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Interview: Davon, ein Mann zu sein

Interview: Davon, ein Mann zu sein

Das Künstlerbordell hat sich mit drei Männern zusammengesetzt, um über das Thema Männlichkeit zu sprechen. Bei den Äußerungen handelt es sich nicht um unsere eigene Sichtweise. Lediglich stellen wir mit diesem Interview unkommentiert die ungefilterte, individuelle Meinung dreier Männer dar, die ebenso nicht die universelle Wahrheit darstellen soll.
Da es sich um persönliche Äußerungen handelt, fordern wir ebenso einen rücksichtsvollen Umgang mit diesem Interview, da sich eventuelle beleidigende Äußerungen negativ auf die Interviewten auswirken können.


Danke für euer Verständnis und viel Spaß beim Lesen


Was bedeutet für dich der Begriff Männlichkeit? Es gibt ja bestimmte Attribute, die man Männern instinktiv zuordnet, wie etwa der Mann müsse stark sein, man sei der Hauptverdiener, man müsse seine Emotionen für sich behalten etc.

L. (20): Für mich definiert Männlichkeit jetzt nicht unbedingt Stärke zu zeigen, sondern eher auf seine Leute aufzupassen. Also mehr in die Richtung Beschützer.

M. (20): Wenn man ins Detail geht auch mit diesen ganzen Art Vorurteilen, dann gehört zu dieser Männlichkeit, dass man tapfer ist oder stark oder, dass man auch den ersten Schritt macht, etwa bei Beziehungen.


Und inwiefern lässt du dich von diesem Begriff allgemein beeinflussen, beziehungsweise hast du schon einmal an deiner Männlichkeit gezweifelt?

M. (20): Also früher war es extremer, da bin ich schon recht viel darauf eingegangen, vor allem auch in der pubertären Phase, ist ja auch klar. Mittlerweile aber eigentlich nicht mehr wirklich.

N. (22): An meiner Männlichkeit habe ich noch nicht gezweifelt. Als Mann darf man auch Gefühle zeigen oder nicht stark sein. Stark ist relativ und jeder Körper ist anders. Schaffe ich etwas nicht, habe ich zwar in dem Moment versagt aber kann dies durch Übungen oder ähnlichem ausbessern.


Wurdest du von anderen Männern schon einmal dazu gedrängt, dich männlicher zu verhalten?

L. (20): Ja. Aufgrund aller möglichen Sachen. Zum Beispiel in einer Achterbahn und ich möchte nicht mitfahren, weil ich Höhenangst habe, solche Sachen, dann heißt es ich bin eine Muschi oder reiß dich zusammen. Also das ist jetzt zum Beispiel eher lustig gemeint. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es auch Beispiele gibt, bei denen das dann auch persönlich gemeint ist, zum Beispiel wenn Männern Gewalt angetan wird und man sich dazu äußert. Das schlägt dann auch auf die Psyche.


Siehst du denn ein, dass es sich bei dem Begriff Männlichkeit, lediglich um ein gesellschaftliches Konstrukt handelt, welches in der Realität nicht existieren kann, da auch Männlichkeit eher etwas Fließendes ist? Oder hälst auch du an diesem stereotypischen Bild des Mannes fest?

L.(20): Ja, und nein. Also an sich aufjedenfall ja, dieses stereotypische Bild ist Schwachsinn, das Bild gibt es nicht, das kann jeder für sich selbst auslegen, aber für mich sehe ich es so, dass Männer Beschützer sind, auch wenn es an sich auch Schwachsinn ist, aber ich sehe mich persönlich in dieser Rolle.

M. (20): Nee, also ich finde nicht, dass Männlichkeit so wirklich existieren kann, das ist einfach ein Ding was noch in den Köpfen der Menschen ist, vor allem, weil ja nicht jeder gleich ist. Es gibt Männer, die können, was diese Vorurteile mit Stärke betrifft mithalten. Es gibt aber auch einige die es von den körperlichen Eigenschaften nicht können oder von den Interessen. Deswegen ist das veraltetes Denken und ein Konstrukt. Man darf halt nicht sein ganzes Leben davon beeinflussen lasse, nur weil man nicht in dieses Bild hineinpasst. Aber einige Leute sehen sich auch gerne in dieser Rolle, also, einfach leben und leben lassen. Ich finde es auch gut, dass dieses Bild aufbricht, denn das andere führt zum Abstumpfen und viel mehr Negativität.

N. (22): Ich finde auch, dass das Bild so in der Realität nicht existieren kann, aber dadurch, dass dieses Bild den Menschen so propagiert wird, wird es versucht auszuleben. Alle, die das nicht schaffen, werden von der Gesellschaft als anders oder komisch angesehen. Das finde ich schade.


Ist Männlichkeit etwas, für das man kämpfen muss oder ist es etwas, dass jeder Mann von Grund auf besitzt?

N. (22): Männlichkeit hat man meiner Meinung nach schon seit der Geburt an. Ob nun im Körper eines Jungen oder eines Mädchens. Im Laufe der Pubertät/Entwicklung stellt sich dann heraus, ob man diese Männlichkeit beibehält oder nicht.


Findest du nicht, dass das auch gefährlich sein kann, wenn man beispielsweise sieht, wie einige Rapper sich frauenfeindlich äußern, und diese Rapper dann für junge Männer als Vorbild angesehen werden?

M. (20): Natürlich ist es gefährlich. Es gibt sehr viele Vorbilder für Kinder und Jugendliche, die falsche Werte vermitteln. Die hohe mediale Präsenz ist keinesfalls nur positiv. Beispielsweise stellenweise die Rap Szene. Dort rappen die über Drogen, Nutten etc. und kleine Kinder, bzw. unreife Kinder assoziieren das mit "cool" sein und wollen ihren Idolen natürlich dann auch nachmachen. Trotzdem finde ich, dass es auch genug gute Vorbilder gibt. Auch sehr viele, die sich gegen solche Thematiken aussprechen. Sowas ist aber meistens nicht "cool" und deswegen werden oftmals solche weniger als Vorbild genommen, dafür aber der Möchtegern Rapper XY.


Wo siehst du den Unterschied zwischen toxischer Männlichkeit und gesunder Männlichkeit?

L (20): Toxische Männlichkeit ist eben dieses unterdrückende. Das man sich selbst unterdrückt, sich selbst sagt, das darf ich jetzt nicht, weil ich keine Schwäche zeigen darf. Aber eben auch wenn man andere unterdrückt, indem man zum Beispiel seine eigene Meinung durchsetzt, in dem man Gewalt anwendet. Gesund ist eben dieses beschützende, dass zum Beispiel ich für meine Freunde sorge, und sie verteidige, um sie zu beschützen, dass ich Leute einlade zum Essen gehen. Das ist für mich vollkommen selbstverständlich.

M. (20): Gesunde Männlichkeit ist, wenn man Verantwortung für bestimmte Dinge übernimmt. Toxisch ist, wenn man andere abwertet und seine Männlichkeit ausnutzt. Das ist aber auch mit Abstand der kleinste Teil, der seine toxische Männlichkeit ausübt.

N. (22): Den Unterschied sehe ich darin, dass die toxische Männlichkeit versucht alle Blicke im Raum auf sich zu werfen und alle anderen Männer im Raum versucht zu unterdrücken. Einer gesunden Männlichkeit rechne ich die Gelassenheit und Coolness an. Man zeigt Präsenz, aber ist trotzdem zurückhaltend.


Hast du das Gefühl, dass Männlichkeit in der Gesellschaft zunehmend als Bedrohung angesehen wird?

N. (22): Ich habe nicht das Gefühl, dass Männlichkeit zunehmend als Bedrohung angesehen wird. Ich glaube aber, dass dieses Gefühl in der nächsten Zeit noch mehr bekräftigt wird, weil Frauen einer toxischen Männlichkeit immer mehr eine klare Kante geben und diese abweisen. Dadurch wird diese toxische Männlichkeit gereizt und gekränkt, was dann wiederum Emotionen und Gewalt auslöst.


Hast du dich schon einmal unwohl in deinem Körper gefühlt, hattest aber Angst dies auszudrücken? Da dieses Thema ja eher der Frauenwelt zugeteilt wird, hattest du auch schon einmal das Gefühl du würdest nicht in diese Bewegung von Body Positivity reinpassen?

L. (20): Klar ist es von der Gesellschaft eher angesehen, dass Männer jetzt groß sind und breit, aber unwohl habe ich mich noch nicht gefühlt.

M.(20): Also bestimmt gab es solche Situationen, vor allem auch mit Kleidung. Wenn man bestimmte Sachen jetzt sieht, die man sehr gerne mag, und es diese nicht in deiner Größe gibt und dann guckt man auf die weibliche Abteilung, wo es alles in Hülle und Fülle gibt. Aber es war jetzt nicht so, dass ich mich wirklich unwohl in meinem Körper gefühlt habe und ich habe auch keine Angst darüber zu sprechen. Aber man sollte in der Bewegung schon mehr Platz für Männer schaffen.

N. (22): Ich vermute, dadurch dass ich ein sehr offener und sarkastischer Mensch bin, fällt es mir einfacher meine Ängste und Schwächen auszudrücken. Ich selbst hätte nicht davor Angst, mich solch einer Bewegung anzuschließen. Man(n) sollte sein Ding durchziehen und auf andere einen Pups geben.


Hast du deine Emotionen schon einmal zurückgehalten, aus Angst, dass das Zeigen von Emotionen mit deiner Männlichkeit kollidieren könnte? Hast du auch Angst davor, wie Frauen reagieren könnten?

L. (20): Ja, ich glaube schon. Zwar nicht oft, ist eher selten vorgekommen, aber aufjedenfall schon mal, ja. Ich glaube es liegt aber nicht an der Männlichkeit, sondern einfach, dass man Angst hat von anderen Leuten nicht mehr so gesehen zu werden, wie es eben vorher war. Also es geht nicht unbedingt um die Männlichkeit, sondern um das Gesamtbild.

M. (20): Natürlich. Jeder hat schon mal seine Emotionen zurückgehalten, das ist einfach menschlich, dass man nicht alle seine Emotionen rauslässt. Aber ich hatte nie diesen Hintergedanken, dass mir jetzt die Männlichkeit abgesprochen wird. Da spielt Männlichkeit am wenigsten eine Rolle. Ich würde da auch keine Differenzierung zwischen den Geschlechtern vornehmen.

N. (22): Nein, Emotionen sind da. Man kann Sie zwar steuern aber nicht ganz unterdrücken. Wenn man als Mann seine Emotionen nicht preisgibt, geht man ein. Und wenn ich das Verlangen dazu habe oder die Situation dies fordert aufgrund von Schmerz vor einer Frau zu weinen, dann ist dies okay.


Woran liegt es zum Beispiel, dass Männer eher weniger von sich preisgeben, also Emotionen, Verletzlichkeit? Hast du Angst davor, dass du durch das Zeigen von Emotionen als zu weiblich angesehen wirst?

L. (20): Ich glaube, das hängt alles ein bisschen mit dieser Schwäche zusammen, die man nicht zeigen darf, weil man dann sonst eben auch wieder Angst hat, dass Leute sich drüber lustig machen oder dich eben nicht mehr ernst nehmen.

N. (22): Männer geben nicht so viel von sich Preis, weil sie dann, wie schon erwähnt, als anders angesehen werden. Das wollen die meisten nicht und verstellen sich dann, um in das Bild des Mannes reinzupassen. Aber ich habe keine Angst davor, dass mein Verhalten bzw. meine offenen Emotionen als weiblich angesehen werden.


Hast du dies vor allem in deiner Kindheit oft gehört, dass du dich mehr wie ein Mann verhalten sollst? Kannst du dir vorstellen, dass somit auch das Verstecken der eigenen Emotionen etwas ist, was man insbesondere in der Erziehung erlernt hat?

L. (20): Ja, kann ich mir vorstellen, aber auch durch die Medien. Also ich hör es auch heute noch. Das hat nicht nur was mit damals zu tun.

M. (20): Beim Fußball, wenn man sich jetzt verletzt hat, war es Gang und Gebe, dass da Sachen kamen wie, sei ein Mann und spiel das Spiel zu Ende. In meiner Erziehung habe ich das nicht mitbekommen, eher im ironischen Sinne.


Hörst du das allgemein eher von Männern oder von Frauen?

L. (20): Tatsächlich eher von Frauen.

M. (20): Wenn so was auftritt, hör ich das fast ausschließlich von Männern.

N. (22): In meiner Erziehung habe ich es, so glaube ich, von beiden Elternteilen gleich oft gehört. Sei nicht so eine Memme, stell dich nicht so an, du bist doch ein starker junge etc.


Gestehst du dir ein, dass das Patriarchat... Kannst du mit dem Begriff etwas anfangen?

L. (20): Nein.

Pa·t·ri·ar·chat [wörtliche Bedeutung: Herrschaft von Vätern] [1]
Eine Gesellschaftsstruktur, in der der Mann vor anderen Geschlechtern bevorzugt wird und wo sich mehrheitlich Männer in höheren Positionen finden, somit auch politische, soziale, wirtschaftliche Entscheidungen eher von Männern getroffen werden.


Glaubst du, dass das Patriarchat auch für die Probleme von Männern verantwortlich ist und das auch Männer unter den Entscheidungen des Patriarchats leiden?

L. (20): Mhm… kann ich mir vorstellen, ja. Also ich habe jetzt keine Beispiele, aber ich kann es mir vorstellen, aufjedenfall. Ja solche Sachen sind immer schwierig.

M. (20): Ja klar stammen sie auch daher. Ich denke aber, dass unsere Generation auf einem recht guten Weg ist, immer offener zu werden. Es darf aber auch nicht zu weit gehen. Man sollte jetzt seine Gefühle nicht irgendwelchen fremden Leuten zeigen, also ein bisschen dieses grundmenschliche Gefühl dafür sollte trotzdem noch vorhanden sein.


Es gibt ja auch Fälle von Gewalt gegen Männer oder auch Fälle in denen Männer vergewaltigt wurden. Darüber redet aber niemand. Was hälst du davon? Kannst du nachvollziehen, dass insbesondere viele Männer sich ungern darüber äußern?

L.(20): Ja, finde ich schlecht. Klar es passiert natürlich auch viel seltener, trotz dessen passiert es aber, deswegen sollte man auch darüber mehr berichten. Das ist halt auch wieder dieses männliche Bild der Stärke.

M.(20): Ja, das stimmt, dass das gar nicht aufkommt oder dass die meisten Männer nicht darüber reden. Ich glaube der Hauptpunkt dafür ist einfach, dass es nicht geglaubt wird. Wenn jetzt eine Frau sagt, der und der hat mich vergewaltigt, dann glaubt man das eher und man geht da auch eher nach, als wenn ein Mann sagt, dass er vergewaltigt wurde, weil dann als Gegenfrage kommt, ja aber du bist doch stärker, größer, warum wehrst du dich nicht dagegen. Also von den Fällen könnte das so an die 50-50 gehen*, aber die Männer reden da nicht drüber. Allgemein sollte man dem Thema gegenüber offener sein.

*In Amerika wurden etwa 43% aller erwachsenen Männer schon einmal sexuell belästigt oder missbraucht. Bei Frauen beläuft sich die Zahl auf 81%. [2]. Es ist zu beachten, dass nicht alle Fälle gemeldet werden.

N. (22): Wird ein Mann vergewaltigt oder misshandelt von einer Frau, so ist die Angst zur Polizei zu gehen, sehr groß. Ich rate jedem, der Kontakt mit solchen Ereignissen hat, sich an eine professionelle Stelle zu wenden und sich Hilfe zu suchen. Du bist nicht allein und WIR schaffen das.
Ich kann es nachvollziehen, dass es dem Opfer nicht sehr leicht fällt darüber zu reden, aber wie schon gesagt, rede darüber und lass dir helfen. Ja, Frauen berichten immer darüber, dass Sie zu den 97% gehören und dass Sie von Männern nur ausgenutzt werden. Dass Männer aber auch solche Erlebnisse haben, wird nicht oder selten populär gemacht.


Wenn ich persönlich an männliche Freundschaften denke, habe ich nicht das Gefühl, dass man offen über seine Emotionen redet, ist das wahrheitsgemäß oder kannst du diesen Glauben von mir gar nicht unterstützen – in meinem Umfeld habe ich zum Beispiel selten mitbekommen, dass ein Junge/Mann sich offen über seine Emotionen ausspricht. Leiden männliche Freundschaften über das Schweigen über die eigenen Emotionen oder handelt es sich dabei lediglich um ein Vorurteil?

L. (20): Das ist eine schwierige Sache. Da kann ich jetzt auch nicht persönlich was zu sagen, weil ich eben nur meine zwei, drei Freunde hab, von denen zwei Männer sind, und mit denen rede ich dann auch offen drüber, die aber auch mit mir. Das ist dann halt ein Geben und ein Nehmen.
Ich glaube bei vielen ist es so. Aber ich glaube, das ist auch gar nicht auf nur Männern bezogen, sondern auch auf Frauen, denn viele Leute haben halt einfach tausende Freunde. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich mich bei meinen Emotionen zurückhalten muss, da ich offen darüber rede.

M. (20): Ich finde schon, dass man viel seltener darüber redet. Das steht nicht im Vordergrund. Es kommt auch drauf an, wie sehr man bestimmten Leuten vertraut. Bei Männern ist man da schon vorsichtiger und weiß nicht so richtig, wie offen ist die andere Person. Bei mir ist es aber nicht so, dass ich das Thema komplett totschweige. Darüber zu reden, hilft auch als mentale Stütze.

N. (22): Es kommt immer auf die Freundschaft an. Ich rede über meine Emotionen mit Freunden, denen ich vertraue, bei denen ich weiß, die haben auch schon ähnliche Ereignisse erlebt oder reden mit mir offen darüber.


Wusstest du, dass Männer dreimal so häufig Suizid begehen, wie Frauen, und überrascht dich das? [3]

L. (20): Ich habe tatsächlich vor einem Jahr oder so etwas darüber gelesen und kann ich mir gut vorstellen, ja. Frauen halten doch eher zusammen als Männer. Weil für Männer zählt doch eben nur, oder meistens nur wenige Leute. Und wenn sich diese Leute dann von dir abwenden, dann bist du echt am Arsch. Ich glaube, der Mann ist eher allein als die Frau. Der gesellschaftliche Druck kommt dann auch noch dazu.

M. (20): Für mich ist es nicht so überraschend. Die gesellschaftlichen Erwartungen und der Stress äußern sich in der Mentalität von einigen. Und dann haben sie keine Person, mit der sie darüber sprechen können.

N. (22): Nein, das überrascht mich nicht. Männer fühlen sich oft missverstanden und können mit vielen Menschen nicht über die eigenen Probleme reden. Die Männlichkeit steht da im Vordergrund und man will keine Memme sein. Vielleicht können Männer auch nicht verstehen, dass Sie auch schwach sein dürfen oder Emotionen zeigen.


Gibt es etwas, dass du anderen Männern noch einmal sagen möchtest?

N. (22): Liebe Männer, uns allen fällt es schwer, Emotionen und Gefühle zu zeigen. Falls du wirklich niemanden hast, dem du diese Emotionen zeigen kannst oder dich öffnen magst, dann stell Kontakt zum Kuenstlerbordell her und sag Laura & Josie, sie sollen dich mit mir verbinden. Ich bin für dich da und höre dir zu. Gemeinsam sind wir stark und finden für alles eine Lösung.


Quellen:

[1] Definition von Oxford Languages

[2] NSVRC: "Statistics.", in: nsvrc.org, URL: https://www.nsvrc.org/statistics, Abruf am: 26.06.2021

[3] Statistisches Bundesamt: "Todesursachen. Suizide", in: destatis.de, URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/suizide.html, Abruf am: 27.06.2021




Das Künstlerbordell hat sich mit drei Männern zusammengesetzt, um über das Thema Männlichkeit zu sprechen. Bei den Äußerungen handelt es sich nicht um unsere eigene Sichtweise. Lediglich stellen wir mit diesem Interview unkommentiert die ungefilterte, individuelle Meinung dreier Männer dar, die ebenso nicht die universelle Wahrheit darstellen soll.
Da es sich um persönliche Äußerungen handelt, fordern wir ebenso einen rücksichtsvollen Umgang mit diesem Interview, da sich eventuelle beleidigende Äußerungen negativ auf die Interviewten auswirken können.


Danke für euer Verständnis und viel Spaß beim Lesen


Was bedeutet für dich der Begriff Männlichkeit? Es gibt ja bestimmte Attribute, die man Männern instinktiv zuordnet, wie etwa der Mann müsse stark sein, man sei der Hauptverdiener, man müsse seine Emotionen für sich behalten etc.

L. (20): Für mich definiert Männlichkeit jetzt nicht unbedingt Stärke zu zeigen, sondern eher auf seine Leute aufzupassen. Also mehr in die Richtung Beschützer.

M. (20): Wenn man ins Detail geht auch mit diesen ganzen Art Vorurteilen, dann gehört zu dieser Männlichkeit, dass man tapfer ist oder stark oder, dass man auch den ersten Schritt macht, etwa bei Beziehungen.


Und inwiefern lässt du dich von diesem Begriff allgemein beeinflussen, beziehungsweise hast du schon einmal an deiner Männlichkeit gezweifelt?

M. (20): Also früher war es extremer, da bin ich schon recht viel darauf eingegangen, vor allem auch in der pubertären Phase, ist ja auch klar. Mittlerweile aber eigentlich nicht mehr wirklich.

N. (22): An meiner Männlichkeit habe ich noch nicht gezweifelt. Als Mann darf man auch Gefühle zeigen oder nicht stark sein. Stark ist relativ und jeder Körper ist anders. Schaffe ich etwas nicht, habe ich zwar in dem Moment versagt aber kann dies durch Übungen oder ähnlichem ausbessern.


Wurdest du von anderen Männern schon einmal dazu gedrängt, dich männlicher zu verhalten?

L. (20): Ja. Aufgrund aller möglichen Sachen. Zum Beispiel in einer Achterbahn und ich möchte nicht mitfahren, weil ich Höhenangst habe, solche Sachen, dann heißt es ich bin eine Muschi oder reiß dich zusammen. Also das ist jetzt zum Beispiel eher lustig gemeint. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es auch Beispiele gibt, bei denen das dann auch persönlich gemeint ist, zum Beispiel wenn Männern Gewalt angetan wird und man sich dazu äußert. Das schlägt dann auch auf die Psyche.


Siehst du denn ein, dass es sich bei dem Begriff Männlichkeit, lediglich um ein gesellschaftliches Konstrukt handelt, welches in der Realität nicht existieren kann, da auch Männlichkeit eher etwas Fließendes ist? Oder hälst auch du an diesem stereotypischen Bild des Mannes fest?

L.(20): Ja, und nein. Also an sich aufjedenfall ja, dieses stereotypische Bild ist Schwachsinn, das Bild gibt es nicht, das kann jeder für sich selbst auslegen, aber für mich sehe ich es so, dass Männer Beschützer sind, auch wenn es an sich auch Schwachsinn ist, aber ich sehe mich persönlich in dieser Rolle.

M. (20): Nee, also ich finde nicht, dass Männlichkeit so wirklich existieren kann, das ist einfach ein Ding was noch in den Köpfen der Menschen ist, vor allem, weil ja nicht jeder gleich ist. Es gibt Männer, die können, was diese Vorurteile mit Stärke betrifft mithalten. Es gibt aber auch einige die es von den körperlichen Eigenschaften nicht können oder von den Interessen. Deswegen ist das veraltetes Denken und ein Konstrukt. Man darf halt nicht sein ganzes Leben davon beeinflussen lasse, nur weil man nicht in dieses Bild hineinpasst. Aber einige Leute sehen sich auch gerne in dieser Rolle, also, einfach leben und leben lassen. Ich finde es auch gut, dass dieses Bild aufbricht, denn das andere führt zum Abstumpfen und viel mehr Negativität.

N. (22): Ich finde auch, dass das Bild so in der Realität nicht existieren kann, aber dadurch, dass dieses Bild den Menschen so propagiert wird, wird es versucht auszuleben. Alle, die das nicht schaffen, werden von der Gesellschaft als anders oder komisch angesehen. Das finde ich schade.


Ist Männlichkeit etwas, für das man kämpfen muss oder ist es etwas, dass jeder Mann von Grund auf besitzt?

N. (22): Männlichkeit hat man meiner Meinung nach schon seit der Geburt an. Ob nun im Körper eines Jungen oder eines Mädchens. Im Laufe der Pubertät/Entwicklung stellt sich dann heraus, ob man diese Männlichkeit beibehält oder nicht.


Findest du nicht, dass das auch gefährlich sein kann, wenn man beispielsweise sieht, wie einige Rapper sich frauenfeindlich äußern, und diese Rapper dann für junge Männer als Vorbild angesehen werden?

M. (20): Natürlich ist es gefährlich. Es gibt sehr viele Vorbilder für Kinder und Jugendliche, die falsche Werte vermitteln. Die hohe mediale Präsenz ist keinesfalls nur positiv. Beispielsweise stellenweise die Rap Szene. Dort rappen die über Drogen, Nutten etc. und kleine Kinder, bzw. unreife Kinder assoziieren das mit "cool" sein und wollen ihren Idolen natürlich dann auch nachmachen. Trotzdem finde ich, dass es auch genug gute Vorbilder gibt. Auch sehr viele, die sich gegen solche Thematiken aussprechen. Sowas ist aber meistens nicht "cool" und deswegen werden oftmals solche weniger als Vorbild genommen, dafür aber der Möchtegern Rapper XY.


Wo siehst du den Unterschied zwischen toxischer Männlichkeit und gesunder Männlichkeit?

L (20): Toxische Männlichkeit ist eben dieses unterdrückende. Das man sich selbst unterdrückt, sich selbst sagt, das darf ich jetzt nicht, weil ich keine Schwäche zeigen darf. Aber eben auch wenn man andere unterdrückt, indem man zum Beispiel seine eigene Meinung durchsetzt, in dem man Gewalt anwendet. Gesund ist eben dieses beschützende, dass zum Beispiel ich für meine Freunde sorge, und sie verteidige, um sie zu beschützen, dass ich Leute einlade zum Essen gehen. Das ist für mich vollkommen selbstverständlich.

M. (20): Gesunde Männlichkeit ist, wenn man Verantwortung für bestimmte Dinge übernimmt. Toxisch ist, wenn man andere abwertet und seine Männlichkeit ausnutzt. Das ist aber auch mit Abstand der kleinste Teil, der seine toxische Männlichkeit ausübt.

N. (22): Den Unterschied sehe ich darin, dass die toxische Männlichkeit versucht alle Blicke im Raum auf sich zu werfen und alle anderen Männer im Raum versucht zu unterdrücken. Einer gesunden Männlichkeit rechne ich die Gelassenheit und Coolness an. Man zeigt Präsenz, aber ist trotzdem zurückhaltend.


Hast du das Gefühl, dass Männlichkeit in der Gesellschaft zunehmend als Bedrohung angesehen wird?

N. (22): Ich habe nicht das Gefühl, dass Männlichkeit zunehmend als Bedrohung angesehen wird. Ich glaube aber, dass dieses Gefühl in der nächsten Zeit noch mehr bekräftigt wird, weil Frauen einer toxischen Männlichkeit immer mehr eine klare Kante geben und diese abweisen. Dadurch wird diese toxische Männlichkeit gereizt und gekränkt, was dann wiederum Emotionen und Gewalt auslöst.


Hast du dich schon einmal unwohl in deinem Körper gefühlt, hattest aber Angst dies auszudrücken? Da dieses Thema ja eher der Frauenwelt zugeteilt wird, hattest du auch schon einmal das Gefühl du würdest nicht in diese Bewegung von Body Positivity reinpassen?

L. (20): Klar ist es von der Gesellschaft eher angesehen, dass Männer jetzt groß sind und breit, aber unwohl habe ich mich noch nicht gefühlt.

M.(20): Also bestimmt gab es solche Situationen, vor allem auch mit Kleidung. Wenn man bestimmte Sachen jetzt sieht, die man sehr gerne mag, und es diese nicht in deiner Größe gibt und dann guckt man auf die weibliche Abteilung, wo es alles in Hülle und Fülle gibt. Aber es war jetzt nicht so, dass ich mich wirklich unwohl in meinem Körper gefühlt habe und ich habe auch keine Angst darüber zu sprechen. Aber man sollte in der Bewegung schon mehr Platz für Männer schaffen.

N. (22): Ich vermute, dadurch dass ich ein sehr offener und sarkastischer Mensch bin, fällt es mir einfacher meine Ängste und Schwächen auszudrücken. Ich selbst hätte nicht davor Angst, mich solch einer Bewegung anzuschließen. Man(n) sollte sein Ding durchziehen und auf andere einen Pups geben.


Hast du deine Emotionen schon einmal zurückgehalten, aus Angst, dass das Zeigen von Emotionen mit deiner Männlichkeit kollidieren könnte? Hast du auch Angst davor, wie Frauen reagieren könnten?

L. (20): Ja, ich glaube schon. Zwar nicht oft, ist eher selten vorgekommen, aber aufjedenfall schon mal, ja. Ich glaube es liegt aber nicht an der Männlichkeit, sondern einfach, dass man Angst hat von anderen Leuten nicht mehr so gesehen zu werden, wie es eben vorher war. Also es geht nicht unbedingt um die Männlichkeit, sondern um das Gesamtbild.

M. (20): Natürlich. Jeder hat schon mal seine Emotionen zurückgehalten, das ist einfach menschlich, dass man nicht alle seine Emotionen rauslässt. Aber ich hatte nie diesen Hintergedanken, dass mir jetzt die Männlichkeit abgesprochen wird. Da spielt Männlichkeit am wenigsten eine Rolle. Ich würde da auch keine Differenzierung zwischen den Geschlechtern vornehmen.

N. (22): Nein, Emotionen sind da. Man kann Sie zwar steuern aber nicht ganz unterdrücken. Wenn man als Mann seine Emotionen nicht preisgibt, geht man ein. Und wenn ich das Verlangen dazu habe oder die Situation dies fordert aufgrund von Schmerz vor einer Frau zu weinen, dann ist dies okay.


Woran liegt es zum Beispiel, dass Männer eher weniger von sich preisgeben, also Emotionen, Verletzlichkeit? Hast du Angst davor, dass du durch das Zeigen von Emotionen als zu weiblich angesehen wirst?

L. (20): Ich glaube, das hängt alles ein bisschen mit dieser Schwäche zusammen, die man nicht zeigen darf, weil man dann sonst eben auch wieder Angst hat, dass Leute sich drüber lustig machen oder dich eben nicht mehr ernst nehmen.

N. (22): Männer geben nicht so viel von sich Preis, weil sie dann, wie schon erwähnt, als anders angesehen werden. Das wollen die meisten nicht und verstellen sich dann, um in das Bild des Mannes reinzupassen. Aber ich habe keine Angst davor, dass mein Verhalten bzw. meine offenen Emotionen als weiblich angesehen werden.


Hast du dies vor allem in deiner Kindheit oft gehört, dass du dich mehr wie ein Mann verhalten sollst? Kannst du dir vorstellen, dass somit auch das Verstecken der eigenen Emotionen etwas ist, was man insbesondere in der Erziehung erlernt hat?

L. (20): Ja, kann ich mir vorstellen, aber auch durch die Medien. Also ich hör es auch heute noch. Das hat nicht nur was mit damals zu tun.

M. (20): Beim Fußball, wenn man sich jetzt verletzt hat, war es Gang und Gebe, dass da Sachen kamen wie, sei ein Mann und spiel das Spiel zu Ende. In meiner Erziehung habe ich das nicht mitbekommen, eher im ironischen Sinne.


Hörst du das allgemein eher von Männern oder von Frauen?

L. (20): Tatsächlich eher von Frauen.

M. (20): Wenn so was auftritt, hör ich das fast ausschließlich von Männern.

N. (22): In meiner Erziehung habe ich es, so glaube ich, von beiden Elternteilen gleich oft gehört. Sei nicht so eine Memme, stell dich nicht so an, du bist doch ein starker junge etc.


Gestehst du dir ein, dass das Patriarchat... Kannst du mit dem Begriff etwas anfangen?

L. (20): Nein.

Pa·t·ri·ar·chat [wörtliche Bedeutung: Herrschaft von Vätern] [1]
Eine Gesellschaftsstruktur, in der der Mann vor anderen Geschlechtern bevorzugt wird und wo sich mehrheitlich Männer in höheren Positionen finden, somit auch politische, soziale, wirtschaftliche Entscheidungen eher von Männern getroffen werden.


Glaubst du, dass das Patriarchat auch für die Probleme von Männern verantwortlich ist und das auch Männer unter den Entscheidungen des Patriarchats leiden?

L. (20): Mhm… kann ich mir vorstellen, ja. Also ich habe jetzt keine Beispiele, aber ich kann es mir vorstellen, aufjedenfall. Ja solche Sachen sind immer schwierig.

M. (20): Ja klar stammen sie auch daher. Ich denke aber, dass unsere Generation auf einem recht guten Weg ist, immer offener zu werden. Es darf aber auch nicht zu weit gehen. Man sollte jetzt seine Gefühle nicht irgendwelchen fremden Leuten zeigen, also ein bisschen dieses grundmenschliche Gefühl dafür sollte trotzdem noch vorhanden sein.


Es gibt ja auch Fälle von Gewalt gegen Männer oder auch Fälle in denen Männer vergewaltigt wurden. Darüber redet aber niemand. Was hälst du davon? Kannst du nachvollziehen, dass insbesondere viele Männer sich ungern darüber äußern?

L.(20): Ja, finde ich schlecht. Klar es passiert natürlich auch viel seltener, trotz dessen passiert es aber, deswegen sollte man auch darüber mehr berichten. Das ist halt auch wieder dieses männliche Bild der Stärke.

M.(20): Ja, das stimmt, dass das gar nicht aufkommt oder dass die meisten Männer nicht darüber reden. Ich glaube der Hauptpunkt dafür ist einfach, dass es nicht geglaubt wird. Wenn jetzt eine Frau sagt, der und der hat mich vergewaltigt, dann glaubt man das eher und man geht da auch eher nach, als wenn ein Mann sagt, dass er vergewaltigt wurde, weil dann als Gegenfrage kommt, ja aber du bist doch stärker, größer, warum wehrst du dich nicht dagegen. Also von den Fällen könnte das so an die 50-50 gehen*, aber die Männer reden da nicht drüber. Allgemein sollte man dem Thema gegenüber offener sein.

*In Amerika wurden etwa 43% aller erwachsenen Männer schon einmal sexuell belästigt oder missbraucht. Bei Frauen beläuft sich die Zahl auf 81%. [2]. Es ist zu beachten, dass nicht alle Fälle gemeldet werden.

N. (22): Wird ein Mann vergewaltigt oder misshandelt von einer Frau, so ist die Angst zur Polizei zu gehen, sehr groß. Ich rate jedem, der Kontakt mit solchen Ereignissen hat, sich an eine professionelle Stelle zu wenden und sich Hilfe zu suchen. Du bist nicht allein und WIR schaffen das.
Ich kann es nachvollziehen, dass es dem Opfer nicht sehr leicht fällt darüber zu reden, aber wie schon gesagt, rede darüber und lass dir helfen. Ja, Frauen berichten immer darüber, dass Sie zu den 97% gehören und dass Sie von Männern nur ausgenutzt werden. Dass Männer aber auch solche Erlebnisse haben, wird nicht oder selten populär gemacht.


Wenn ich persönlich an männliche Freundschaften denke, habe ich nicht das Gefühl, dass man offen über seine Emotionen redet, ist das wahrheitsgemäß oder kannst du diesen Glauben von mir gar nicht unterstützen – in meinem Umfeld habe ich zum Beispiel selten mitbekommen, dass ein Junge/Mann sich offen über seine Emotionen ausspricht. Leiden männliche Freundschaften über das Schweigen über die eigenen Emotionen oder handelt es sich dabei lediglich um ein Vorurteil?

L. (20): Das ist eine schwierige Sache. Da kann ich jetzt auch nicht persönlich was zu sagen, weil ich eben nur meine zwei, drei Freunde hab, von denen zwei Männer sind, und mit denen rede ich dann auch offen drüber, die aber auch mit mir. Das ist dann halt ein Geben und ein Nehmen.
Ich glaube bei vielen ist es so. Aber ich glaube, das ist auch gar nicht auf nur Männern bezogen, sondern auch auf Frauen, denn viele Leute haben halt einfach tausende Freunde. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich mich bei meinen Emotionen zurückhalten muss, da ich offen darüber rede.

M. (20): Ich finde schon, dass man viel seltener darüber redet. Das steht nicht im Vordergrund. Es kommt auch drauf an, wie sehr man bestimmten Leuten vertraut. Bei Männern ist man da schon vorsichtiger und weiß nicht so richtig, wie offen ist die andere Person. Bei mir ist es aber nicht so, dass ich das Thema komplett totschweige. Darüber zu reden, hilft auch als mentale Stütze.

N. (22): Es kommt immer auf die Freundschaft an. Ich rede über meine Emotionen mit Freunden, denen ich vertraue, bei denen ich weiß, die haben auch schon ähnliche Ereignisse erlebt oder reden mit mir offen darüber.


Wusstest du, dass Männer dreimal so häufig Suizid begehen, wie Frauen, und überrascht dich das? [3]

L. (20): Ich habe tatsächlich vor einem Jahr oder so etwas darüber gelesen und kann ich mir gut vorstellen, ja. Frauen halten doch eher zusammen als Männer. Weil für Männer zählt doch eben nur, oder meistens nur wenige Leute. Und wenn sich diese Leute dann von dir abwenden, dann bist du echt am Arsch. Ich glaube, der Mann ist eher allein als die Frau. Der gesellschaftliche Druck kommt dann auch noch dazu.

M. (20): Für mich ist es nicht so überraschend. Die gesellschaftlichen Erwartungen und der Stress äußern sich in der Mentalität von einigen. Und dann haben sie keine Person, mit der sie darüber sprechen können.

N. (22): Nein, das überrascht mich nicht. Männer fühlen sich oft missverstanden und können mit vielen Menschen nicht über die eigenen Probleme reden. Die Männlichkeit steht da im Vordergrund und man will keine Memme sein. Vielleicht können Männer auch nicht verstehen, dass Sie auch schwach sein dürfen oder Emotionen zeigen.


Gibt es etwas, dass du anderen Männern noch einmal sagen möchtest?

N. (22): Liebe Männer, uns allen fällt es schwer, Emotionen und Gefühle zu zeigen. Falls du wirklich niemanden hast, dem du diese Emotionen zeigen kannst oder dich öffnen magst, dann stell Kontakt zum Kuenstlerbordell her und sag Laura & Josie, sie sollen dich mit mir verbinden. Ich bin für dich da und höre dir zu. Gemeinsam sind wir stark und finden für alles eine Lösung.


Quellen:

[1] Definition von Oxford Languages

[2] NSVRC: "Statistics.", in: nsvrc.org, URL: https://www.nsvrc.org/statistics, Abruf am: 26.06.2021

[3] Statistisches Bundesamt: "Todesursachen. Suizide", in: destatis.de, URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/suizide.html, Abruf am: 27.06.2021




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