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Josies Werke
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Gedanken über Wahrheit
Gedanken über Wahrheit

Vielen mag es vielleicht grotesk erscheinen (mich eingeschlossen), wenn eine 20-jährige an die Gesellschaft appelliert oder versucht bestimmte Werte zu vermitteln. Genauso wenig wie meine Leser weiß ich in diesem Augenblick, wo ich diese Zeilen verfasse, welche Geschichten sich mir offenbaren werden oder welche Erkenntnisse ich erlange. Eine Reise durch Welten verdrängter Gefühle. Was mich erwarten wird, oder was ich zumindest zu erwarten erhoffe, weiß ich dennoch. Meine Intention ist es meine Vergangenheit ruhen zu lassen und ich weiß, dass mir dies nur durch den Akt des Schreibens gelingt, denn für mich ebnet das Schreiben mir einen Weg, mich selbst zu erschaffen und mich neu zu begründen, indem ich beobachte und rückwirkend reflektiere. Die Person auf Papier, die sich dort glitzernd in der Nachmittagssonne abbildet, visualisiert mir die Gestalt, die ich zu werden beginne. Vielleicht mag meine Geschichte bisher nur eine kurze sein. Vielleicht in den Augen vieler nur eine wenig prägende, doch auch aus einem jungen Geist mit hoher Sensibilität lassen sich viele Erkenntnisse und Weisheiten schöpfen. Jeder kann das, wenn er nur genügend reflektiert und nicht von sich selbst davon läuft, sowie ich es eine lange Zeit unbewusst getan habe. Wo wir auch schon beim eigentlichen Thema wären – Selbstfindung.
Selbstfindung ist etwas, das uns alle betrifft, insbesondere junge Menschen des 21. Jahrhunderts. Möglichkeiten gibt es im Überschuss, so wie im Grunde genommen alles. Unsere Mentalität ist mit dem Kapitalismus gekoppelt, was stetiges Voranschreiten und Innovationen bedeutet. Genau dasselbe wollen wir tun – uns herausfordern und wachsen. Wir machen Yoga Übungen, befassen uns mit Sternzeichen, schicken uns auf spirituelle Reisen. Ernähren uns gesund, gehen joggen. Wandeln unseren Körper zu einer Währung um mit der man in unserer Gesellschaft zahlt, um Anerkennung zu verdienen, indem wir einem Ideal nachstreben, das verzerrt ist und fiktiv. Auch soziale Medien ermöglichen uns durch Selbstdarstellung den Weg uns selbst zu erschaffen, doch ich denke nur auf ungesundem Wege. Denn was ich gelernt habe ist, dass es letztlich doch die Taten sind und keine ausgemalten Vorstellungen und Visionen, die uns definieren. Dafür müssen wir keine großen Entscheidungen treffen, die uns selten, doch vor allem im jungen Alter, begegnen. Eine lange Zeit habe ich die wahrhaftige Essenz von Wahrheit nicht begriffen und weder noch das dunkle Gegenteil – die Lüge. Ich war fasziniert von Biografien bekannter Persönlichkeiten und wenn sie davon sprachen, wie wichtig es sei die eigene Wahrheit zu finden und auszuleben. Aber was bedeutet schon Wahrheit? Im rationalen Sinne, und wenn ich sie unter dem Maßstab der Moral ermesse, ist Wahrheit gut und lügen böse. Was ich außerdem dachte war, dass wenn Lügen und Ehrlichkeit aus einem moralischen Instinkt folgten, sie bewusste Entscheidungen sein müssten. Dass man wissen müsste, wann man log und wann nicht. Dass es bemerkbar sein würde, wenn man es tat. Aber blicke ich rückwirkend auf meine vergangenen Verhaltensmuster zurück, erkenne ich meine Fehler erst gänzlich nach zeitlicher Distanz. Ich hatte mich als eine Märtyrerin des Friedens verklärt; mich der falschen Annahme hingegeben, dass mein Befinden von dem Befinden anderer abhängen muss. Das lässt sich insofern erklären, dass sich meine Weltsicht aus einem romantischen Idealismus genährt hat, der wohl meiner Angst zur Schuld kam, meine Kindheit gänzlich loszulassen und die damit einhergehende Naivität, die alles schöner wirken lässt. Ich wollte den Glauben an ein geborgenes Idyll nicht aufgeben und habe alles Mögliche versucht, um Unschuld aufrecht zu bewahren, die schon längst verwelkt war.
"Ich hatte mich als eine Märtyrerin des Friedens verklärt; mich der falschen Annahme hingegeben, dass mein Befinden von dem Befinden anderer abhängen muss."
Jeder muss sich irgendwann dieser Erkenntnis stellen – du wirst sehen, dass die Welt hässlich und grausam sein kann, dass Menschen zu schlimmen Dingen fähig sind, das Liebe erlischt und das Menschen dich manchmal wortlos verlassen. Du musst dich zum Realismus bekehren, was nicht gleich bedeutet, dass du pessimistisch oder nihilistisch bist. Du musst dich der Wahrheit hingeben und nicht vor ihr flüchten. Und wenn du all diese schrecklichen Dinge siehst, sollst du sie nicht einfach akzeptieren, sondern es ist deine Aufgabe, die Aufgabe eines jeden Individuums, einen Weg zu finden damit umzugehen und im besten Fall eine Lösung zu finden. Eine lange Zeit war ich nichts weiter als ein Produkt der Umstände – ein Produkt der Umstände anderer. Ich wies niemanden auf seine Fehler hin oder wenn mich jemand verletzte. Ich beschloss alles mit mir selbst auszumachen, denn ich dachte, das wäre tugendhaft. Aber jetzt weiß ich, dass es viel eher ein schamhaftes Verstecken war, als der Drang etwas Richtiges zu tun. Ich blieb still in lauten Momenten, wo ich mich eigentlich hätte offenbaren müssen, und merkte nicht, dass dies bedeutete zu lügen. Denn wenn man die Wahrheit verschweigt und sie leugnet, bedeutet es ebenfalls, wenn auch unbewusst, sich der Lüge zu positionieren. Ich blieb still, um andere nicht zu verletzen, verstellte mich, um nicht auf Ablehnung von Menschen zu stoßen, die mich sowieso nicht verstanden, unterdrückte Freude, Wut und Traurigkeit – ich reduzierte meine Wahrheit zur Lüge. Ich hatte mich unbewusst für ein Leben entschieden, dass auf andere ausgerichtet war und mich selbst ausschloss. Doch wir müssen vom Publikum hinauf zur Bühne steigen – in das glänzende Licht – und Akteure unseres eigenen Lebens werden. Irgendwann realisierte ich, dass ich mich nicht nur in vielen Augenblicken meines Lebens für das Schweigen entschieden hatte, sondern dass ich Entscheidungen gegen mich selbst traf. Und es ist so wichtig Entscheidungen zu treffen – es bedeutet sich auszudrücken und immer wieder zu beweisen, wie man auf der Welt gesehen werden möchte. Entscheidungen sind die höchste Ausdrucksform unseres Individualismus. Und wir müssen die Bemächtigten dieser Entscheidungen sein, die unabhängig von dem Bild, das sich andere von uns machen, gefällt werden müssen. Denn wenn wir die Zügel dieser Macht verlieren, verlieren wir uns selbst und wenn es darum geht, sind wir niemandem eine Rechenschaft schuldig.
April 2021
Vielen mag es vielleicht grotesk erscheinen (mich eingeschlossen), wenn eine 20-jährige an die Gesellschaft appelliert oder versucht bestimmte Werte zu vermitteln. Genauso wenig wie meine Leser weiß ich in diesem Augenblick, wo ich diese Zeilen verfasse, welche Geschichten sich mir offenbaren werden oder welche Erkenntnisse ich erlange. Eine Reise durch Welten verdrängter Gefühle. Was mich erwarten wird, oder was ich zumindest zu erwarten erhoffe, weiß ich dennoch. Meine Intention ist es meine Vergangenheit ruhen zu lassen und ich weiß, dass mir dies nur durch den Akt des Schreibens gelingt, denn für mich ebnet das Schreiben mir einen Weg, mich selbst zu erschaffen und mich neu zu begründen, indem ich beobachte und rückwirkend reflektiere. Die Person auf Papier, die sich dort glitzernd in der Nachmittagssonne abbildet, visualisiert mir die Gestalt, die ich zu werden beginne. Vielleicht mag meine Geschichte bisher nur eine kurze sein. Vielleicht in den Augen vieler nur eine wenig prägende, doch auch aus einem jungen Geist mit hoher Sensibilität lassen sich viele Erkenntnisse und Weisheiten schöpfen. Jeder kann das, wenn er nur genügend reflektiert und nicht von sich selbst davon läuft, sowie ich es eine lange Zeit unbewusst getan habe. Wo wir auch schon beim eigentlichen Thema wären – Selbstfindung.
Selbstfindung ist etwas, das uns alle betrifft, insbesondere junge Menschen des 21. Jahrhunderts. Möglichkeiten gibt es im Überschuss, so wie im Grunde genommen alles. Unsere Mentalität ist mit dem Kapitalismus gekoppelt, was stetiges Voranschreiten und Innovationen bedeutet. Genau dasselbe wollen wir tun – uns herausfordern und wachsen. Wir machen Yoga Übungen, befassen uns mit Sternzeichen, schicken uns auf spirituelle Reisen. Ernähren uns gesund, gehen joggen. Wandeln unseren Körper zu einer Währung um mit der man in unserer Gesellschaft zahlt, um Anerkennung zu verdienen, indem wir einem Ideal nachstreben, das verzerrt ist und fiktiv. Auch soziale Medien ermöglichen uns durch Selbstdarstellung den Weg uns selbst zu erschaffen, doch ich denke nur auf ungesundem Wege. Denn was ich gelernt habe ist, dass es letztlich doch die Taten sind und keine ausgemalten Vorstellungen und Visionen, die uns definieren. Dafür müssen wir keine großen Entscheidungen treffen, die uns selten, doch vor allem im jungen Alter, begegnen. Eine lange Zeit habe ich die wahrhaftige Essenz von Wahrheit nicht begriffen und weder noch das dunkle Gegenteil – die Lüge. Ich war fasziniert von Biografien bekannter Persönlichkeiten und wenn sie davon sprachen, wie wichtig es sei die eigene Wahrheit zu finden und auszuleben. Aber was bedeutet schon Wahrheit? Im rationalen Sinne, und wenn ich sie unter dem Maßstab der Moral ermesse, ist Wahrheit gut und lügen böse. Was ich außerdem dachte war, dass wenn Lügen und Ehrlichkeit aus einem moralischen Instinkt folgten, sie bewusste Entscheidungen sein müssten. Dass man wissen müsste, wann man log und wann nicht. Dass es bemerkbar sein würde, wenn man es tat. Aber blicke ich rückwirkend auf meine vergangenen Verhaltensmuster zurück, erkenne ich meine Fehler erst gänzlich nach zeitlicher Distanz. Ich hatte mich als eine Märtyrerin des Friedens verklärt; mich der falschen Annahme hingegeben, dass mein Befinden von dem Befinden anderer abhängen muss. Das lässt sich insofern erklären, dass sich meine Weltsicht aus einem romantischen Idealismus genährt hat, der wohl meiner Angst zur Schuld kam, meine Kindheit gänzlich loszulassen und die damit einhergehende Naivität, die alles schöner wirken lässt. Ich wollte den Glauben an ein geborgenes Idyll nicht aufgeben und habe alles Mögliche versucht, um Unschuld aufrecht zu bewahren, die schon längst verwelkt war.
"Ich hatte mich als eine Märtyrerin des Friedens verklärt; mich der falschen Annahme hingegeben, dass mein Befinden von dem Befinden anderer abhängen muss."
Jeder muss sich irgendwann dieser Erkenntnis stellen – du wirst sehen, dass die Welt hässlich und grausam sein kann, dass Menschen zu schlimmen Dingen fähig sind, das Liebe erlischt und das Menschen dich manchmal wortlos verlassen. Du musst dich zum Realismus bekehren, was nicht gleich bedeutet, dass du pessimistisch oder nihilistisch bist. Du musst dich der Wahrheit hingeben und nicht vor ihr flüchten. Und wenn du all diese schrecklichen Dinge siehst, sollst du sie nicht einfach akzeptieren, sondern es ist deine Aufgabe, die Aufgabe eines jeden Individuums, einen Weg zu finden damit umzugehen und im besten Fall eine Lösung zu finden. Eine lange Zeit war ich nichts weiter als ein Produkt der Umstände – ein Produkt der Umstände anderer. Ich wies niemanden auf seine Fehler hin oder wenn mich jemand verletzte. Ich beschloss alles mit mir selbst auszumachen, denn ich dachte, das wäre tugendhaft. Aber jetzt weiß ich, dass es viel eher ein schamhaftes Verstecken war, als der Drang etwas Richtiges zu tun. Ich blieb still in lauten Momenten, wo ich mich eigentlich hätte offenbaren müssen, und merkte nicht, dass dies bedeutete zu lügen. Denn wenn man die Wahrheit verschweigt und sie leugnet, bedeutet es ebenfalls, wenn auch unbewusst, sich der Lüge zu positionieren. Ich blieb still, um andere nicht zu verletzen, verstellte mich, um nicht auf Ablehnung von Menschen zu stoßen, die mich sowieso nicht verstanden, unterdrückte Freude, Wut und Traurigkeit – ich reduzierte meine Wahrheit zur Lüge. Ich hatte mich unbewusst für ein Leben entschieden, dass auf andere ausgerichtet war und mich selbst ausschloss. Doch wir müssen vom Publikum hinauf zur Bühne steigen – in das glänzende Licht – und Akteure unseres eigenen Lebens werden. Irgendwann realisierte ich, dass ich mich nicht nur in vielen Augenblicken meines Lebens für das Schweigen entschieden hatte, sondern dass ich Entscheidungen gegen mich selbst traf. Und es ist so wichtig Entscheidungen zu treffen – es bedeutet sich auszudrücken und immer wieder zu beweisen, wie man auf der Welt gesehen werden möchte. Entscheidungen sind die höchste Ausdrucksform unseres Individualismus. Und wir müssen die Bemächtigten dieser Entscheidungen sein, die unabhängig von dem Bild, das sich andere von uns machen, gefällt werden müssen. Denn wenn wir die Zügel dieser Macht verlieren, verlieren wir uns selbst und wenn es darum geht, sind wir niemandem eine Rechenschaft schuldig.
April 2021
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