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Josies Werke
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Kunst
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"Bitches Brauchen Rap" - ein modernes Manifest
"Bitches Brauchen Rap" - ein modernes Manifest

Shirin David hat am Freitag, den 19. November ihr zweites Studioalbum herausgebracht “Bitches brauchen Rap”. Auf diesem Album gewährt sie uns einen tiefen Einblick in ihre Seele, katapultiert sich von der neutralen Kommerzfigur zu einer gestandenen, in Stein gemeißelten Künstlerin hoch, die sich nicht davor scheut, ihre Wahrheit zu vermitteln und Klartext zu reden. So rappt sie in ihrem persönlichsten und längstem Song “Bramfeld Storys”, der das Album schließt:
”Musste lern’n, ich muss mich öffentlich positionieren
Die sagen Reden ist Silber,
Schweigen ist Gold
Aber Schweigen war mein Fehler und Reden brachte Erfolg” Und in diesem Album hat die 26-jährige so einiges zu sagen.
Bitch (dt. Schlampe), ein eigentlich negatives Wort, wird in diesem Album in ein neues Licht gerückt. Schon in ihrem Track by Track Video erklärte Shirin zu Beginn, dass sie die Begrifflichkeit “Bitch” als etwas positives verwende. Bitches seien Frauen, die selbstbestimmt leben, tun und lassen, was sie wollen, befreit von der weiblichen Geschlechtsrolle und den von den Männern angehefteten Vorurteilen. Es gibt keine Schlampen, denn auch Frauen haben das Recht mit so vielen Männern schlafen zu können, wie sie wollen, ohne dafür gesellschaftlich degradiert werden zu müssen. Sie benutze diese Bezeichnung, um die Macht darüber zu gewinnen (auch Reappropriation genannt), indem sie die erniedrigende Bedeutung des Wortes in etwas Starkes verwandelt. Ihr Album ist vor allem Kritik gegenüber der Musikszene, die von Männern dominiert wird. Sie führt vor Augen über welche Steine Künstlerinnen im Business stolpern, nur aus dem Grund, weil sie eben Frauen sind.
“Das Radio will uns nur weinerlich und zerbrechlich
Rollenunterdrückung im Rundfunk öffentlich rechtlich
Als Zicke betitelt, wenn du zum Redakteur frech bist
Die sagen, bist du fame, ist jede Kritik berechtigt
Alle woll’n zwar Real Talk face to face auf männlich
Doch zwei Minuten Babsi Bars und du fühlst dich offended” Die Lyrics (aus "Last Bitch Standing”) spiegelt die Probleme wider, mit denen zahlreiche Interpretinnen auf der Welt täglich konfrontiert werden. Egal ob Taylor Swift, die von ihrem Manager Scooter Braun um die Rechte ihrer Lieder beraubt wurde, Ke$ha, die von ihrem Manager sexuell belästigt wurde, oder auch die deutsche Rapperin KittyKat, die in den 2000ern am Anfang ihrer Karriere geheim gehalten wurde, weil sie nicht dem idealen Frauentyp entsprach. Kitty Kat ist als Feature auf Shirins Album bei be a hoe /break a hoe zu hören, auf dem sie unteranderem rappt:
“Die haben gesagt, dass mein Kopf wie 'n Kanister ist
Ich sag nur: Halt die Fresse, Pussyboy, und strip für mich“ Schon seit einiger Zeit werden gegen Shirin David Vorwürfe erhoben, dass sie ihre Texte von Ghostwritern schreiben ließe.
Diese Beschuldigung wird oft als Legitimierung verwendet, ihre Kunst abzuwerten. Shirin, die schon längst aufgeklärt hat, dass sie ihre Lyrics zusammen mit Ihrem Texter Laas schreibt, macht sich unter anderem in “Lieben wir” über die Vorwürfe lustig:
“Mit wem ich Songs schreib’?
Bitch, do your research!”
In Last itch Standing rappt sie außerdem:
“Und nochmal: Ich hab' nicht alles selbst geschrieben
Doch nur ich bring' ich die Fakten, auf den'n die Texte basieren”
Ein weiterer Vorwurf ist, dass sie lediglich eine Imitation von US-amerikanischen Rapperin, wie beispielsweise Nicki Minaj, darstellt. Seltsamerweise wird dies keinen männlichen Interpreten in der Rap Kultur vorgeworfen, der es in Deutschland an jeglicher Vielfalt fehlt.
“Rap ist jetzt in Mode
Songs aus der Schablone
Jeder schreibt den gleichen Unfug
Alles Katastrophe”, so Shirin in "NDA’S".
Songs leben nicht mehr von storytelling, aus dem sich der HipHop in den 90ern genährt hat. Billige, einfältige Beats und Reime auf Markenklamotten sind leidenschaftslose Produkte, aber keine Kunst mehr. Jeder dritte Jugendliche behauptet er mache Musik und die Lieder verbreiten sich auf Spotify schlimmer als die Corona Pandemie. Shirins Statement zu dieser Lage, gibt sie in "Babsi Bars" preis:
”Trag' ein' feinen Stoff auf meiner Haut, so wie der Dalai Lama
Doch hab' mehr zu bieten als ein' dummen Reim auf Balenciaga” Doch nicht nur Männer und naive Teenies haten schon seit Beginn Shirins Musik, sondern auch die Meinungen unter Feministinnen verläuft kontrovers - und das alles ist ihrem Äußeren zu verschulden. Aufgespritzte Lippen, Brazilian Butt Lift und falsche Wimpern scheinen Shirins Aufruf nach Gleichberechtigung im Weg zu stehen. Dass eine vollbusige Blondine Männer aufs Schärfste kritisiert, lässt sich für viele Menschen nicht vereinbaren. Doch auch was oberflächlich betrachtet widersprüchlich erscheint ist Feminismus. Vor allem das ist Feminismus, dass man Frauen das Recht zuspricht facettenreich zu sein. Grenzen zu sprengen, weil wir Bock draufhaben, weil die Freiheit darin besteht selbst entscheiden zu können, was wir für uns für richtig halten.
Shirin David entfacht in diesem Album ihre Persönlichkeit wie ein provokantes Feuer, das die Limitierungen niederbrennt. In Bramfeld Storys erzählt sie uns in einem 9-minütigen Track ihre Lebensgeschichte und das mit Bravour. Sie wächst ohne Vater auf, in einem Land, das ihrer aus Litauen stammenden Mutter zuerst fremd ist. Die Power bekommen sie und ihre Schwester Pati, die vor kurzem in London ihren Master in Kommunikationswissenschaften erworben hat, in die Wiege gelegt. Sie wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf und kämpften sich bis an die Spitze hoch. Doch der Song, der mich am meisten auf diesem Album berührt hat, war “Schlechtes Vorbild”. Aus der Sicht einer fiktiven 14-jährigen erzählt, wird die Lebensrealität von heranwachsenden Frau authentisch skizziert. Mit welchen alltäglichen Problemen junge Frauen zu kämpfen haben.
“Meine Mutter versteht kein Englisch – „Was sind Bad Bitches?“
Sag' ihr: „Sowas wie 'ne Existenz, die selbstbestimmt ist“
Mein Sportlehrer sagt, deine Texte wären sexistisch
Doch beim Handstand mein'n Arsch berühr'n, findet er echt witzig” Auch ich wurde an einige Momente meiner Schulzeit zurückerinnert - Mädchen über die gelästert und die beleidigt wurden, weil sie Oberteile mit Ausschnitt trugen. Die als Schlampen bezeichnet wurden, weil sie sich mit Jungen trafen. Dieser Track rundet für mich das Album ab. Es thematisiert auf künstlerische Art und Weise, ausgeschmückt mit 2000-er und Trap Beats, zwischen Hip-Hop mit Kontext, der hart und gesellschaftskritisch ist, wie wir Frauen uns als Kollektiv fühlen. Als ich das Album neulich im Dunkeln auf meinem Bett hörte, war ich das erste Mal verwundert, dass mich Rap wirklich berühren konnte. Als ich um halb 2 die Kopfhörer aus den Ohren nahm, realisierte ich warum. Vorher hatte es immer eine Hemmung gegeben, eine Wand, die mir untersagte, mich Rap wirklich hingeben zu können. Weil ich wusste, er war nicht für mich. Kein Capital Bra, kein UFO, nicht 187 - niemand aus der deutschen Rapszene ließ mich teilhaben, erlaubte mir Identifikation mit den Zeilen, die mir nicht galten. Bitches brauchen Rap. Und jetzt bekommen wir ihn endlich.
Josie, November 2021
Shirin David hat am Freitag, den 19. November ihr zweites Studioalbum herausgebracht “Bitches brauchen Rap”. Auf diesem Album gewährt sie uns einen tiefen Einblick in ihre Seele, katapultiert sich von der neutralen Kommerzfigur zu einer gestandenen, in Stein gemeißelten Künstlerin hoch, die sich nicht davor scheut, ihre Wahrheit zu vermitteln und Klartext zu reden. So rappt sie in ihrem persönlichsten und längstem Song “Bramfeld Storys”, der das Album schließt:
”Musste lern’n, ich muss mich öffentlich positionieren
Die sagen Reden ist Silber,
Schweigen ist Gold
Aber Schweigen war mein Fehler und Reden brachte Erfolg” Und in diesem Album hat die 26-jährige so einiges zu sagen.
Bitch (dt. Schlampe), ein eigentlich negatives Wort, wird in diesem Album in ein neues Licht gerückt. Schon in ihrem Track by Track Video erklärte Shirin zu Beginn, dass sie die Begrifflichkeit “Bitch” als etwas positives verwende. Bitches seien Frauen, die selbstbestimmt leben, tun und lassen, was sie wollen, befreit von der weiblichen Geschlechtsrolle und den von den Männern angehefteten Vorurteilen. Es gibt keine Schlampen, denn auch Frauen haben das Recht mit so vielen Männern schlafen zu können, wie sie wollen, ohne dafür gesellschaftlich degradiert werden zu müssen. Sie benutze diese Bezeichnung, um die Macht darüber zu gewinnen (auch Reappropriation genannt), indem sie die erniedrigende Bedeutung des Wortes in etwas Starkes verwandelt. Ihr Album ist vor allem Kritik gegenüber der Musikszene, die von Männern dominiert wird. Sie führt vor Augen über welche Steine Künstlerinnen im Business stolpern, nur aus dem Grund, weil sie eben Frauen sind.
“Das Radio will uns nur weinerlich und zerbrechlich
Rollenunterdrückung im Rundfunk öffentlich rechtlich
Als Zicke betitelt, wenn du zum Redakteur frech bist
Die sagen, bist du fame, ist jede Kritik berechtigt
Alle woll’n zwar Real Talk face to face auf männlich
Doch zwei Minuten Babsi Bars und du fühlst dich offended” Die Lyrics (aus "Last Bitch Standing”) spiegelt die Probleme wider, mit denen zahlreiche Interpretinnen auf der Welt täglich konfrontiert werden. Egal ob Taylor Swift, die von ihrem Manager Scooter Braun um die Rechte ihrer Lieder beraubt wurde, Ke$ha, die von ihrem Manager sexuell belästigt wurde, oder auch die deutsche Rapperin KittyKat, die in den 2000ern am Anfang ihrer Karriere geheim gehalten wurde, weil sie nicht dem idealen Frauentyp entsprach. Kitty Kat ist als Feature auf Shirins Album bei be a hoe /break a hoe zu hören, auf dem sie unteranderem rappt:
“Die haben gesagt, dass mein Kopf wie 'n Kanister ist
Ich sag nur: Halt die Fresse, Pussyboy, und strip für mich“ Schon seit einiger Zeit werden gegen Shirin David Vorwürfe erhoben, dass sie ihre Texte von Ghostwritern schreiben ließe.
Diese Beschuldigung wird oft als Legitimierung verwendet, ihre Kunst abzuwerten. Shirin, die schon längst aufgeklärt hat, dass sie ihre Lyrics zusammen mit Ihrem Texter Laas schreibt, macht sich unter anderem in “Lieben wir” über die Vorwürfe lustig:
“Mit wem ich Songs schreib’?
Bitch, do your research!”
In Last itch Standing rappt sie außerdem:
“Und nochmal: Ich hab' nicht alles selbst geschrieben
Doch nur ich bring' ich die Fakten, auf den'n die Texte basieren”
Ein weiterer Vorwurf ist, dass sie lediglich eine Imitation von US-amerikanischen Rapperin, wie beispielsweise Nicki Minaj, darstellt. Seltsamerweise wird dies keinen männlichen Interpreten in der Rap Kultur vorgeworfen, der es in Deutschland an jeglicher Vielfalt fehlt.
“Rap ist jetzt in Mode
Songs aus der Schablone
Jeder schreibt den gleichen Unfug
Alles Katastrophe”, so Shirin in "NDA’S".
Songs leben nicht mehr von storytelling, aus dem sich der HipHop in den 90ern genährt hat. Billige, einfältige Beats und Reime auf Markenklamotten sind leidenschaftslose Produkte, aber keine Kunst mehr. Jeder dritte Jugendliche behauptet er mache Musik und die Lieder verbreiten sich auf Spotify schlimmer als die Corona Pandemie. Shirins Statement zu dieser Lage, gibt sie in "Babsi Bars" preis:
”Trag' ein' feinen Stoff auf meiner Haut, so wie der Dalai Lama
Doch hab' mehr zu bieten als ein' dummen Reim auf Balenciaga” Doch nicht nur Männer und naive Teenies haten schon seit Beginn Shirins Musik, sondern auch die Meinungen unter Feministinnen verläuft kontrovers - und das alles ist ihrem Äußeren zu verschulden. Aufgespritzte Lippen, Brazilian Butt Lift und falsche Wimpern scheinen Shirins Aufruf nach Gleichberechtigung im Weg zu stehen. Dass eine vollbusige Blondine Männer aufs Schärfste kritisiert, lässt sich für viele Menschen nicht vereinbaren. Doch auch was oberflächlich betrachtet widersprüchlich erscheint ist Feminismus. Vor allem das ist Feminismus, dass man Frauen das Recht zuspricht facettenreich zu sein. Grenzen zu sprengen, weil wir Bock draufhaben, weil die Freiheit darin besteht selbst entscheiden zu können, was wir für uns für richtig halten.
Shirin David entfacht in diesem Album ihre Persönlichkeit wie ein provokantes Feuer, das die Limitierungen niederbrennt. In Bramfeld Storys erzählt sie uns in einem 9-minütigen Track ihre Lebensgeschichte und das mit Bravour. Sie wächst ohne Vater auf, in einem Land, das ihrer aus Litauen stammenden Mutter zuerst fremd ist. Die Power bekommen sie und ihre Schwester Pati, die vor kurzem in London ihren Master in Kommunikationswissenschaften erworben hat, in die Wiege gelegt. Sie wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf und kämpften sich bis an die Spitze hoch. Doch der Song, der mich am meisten auf diesem Album berührt hat, war “Schlechtes Vorbild”. Aus der Sicht einer fiktiven 14-jährigen erzählt, wird die Lebensrealität von heranwachsenden Frau authentisch skizziert. Mit welchen alltäglichen Problemen junge Frauen zu kämpfen haben.
“Meine Mutter versteht kein Englisch – „Was sind Bad Bitches?“
Sag' ihr: „Sowas wie 'ne Existenz, die selbstbestimmt ist“
Mein Sportlehrer sagt, deine Texte wären sexistisch
Doch beim Handstand mein'n Arsch berühr'n, findet er echt witzig” Auch ich wurde an einige Momente meiner Schulzeit zurückerinnert - Mädchen über die gelästert und die beleidigt wurden, weil sie Oberteile mit Ausschnitt trugen. Die als Schlampen bezeichnet wurden, weil sie sich mit Jungen trafen. Dieser Track rundet für mich das Album ab. Es thematisiert auf künstlerische Art und Weise, ausgeschmückt mit 2000-er und Trap Beats, zwischen Hip-Hop mit Kontext, der hart und gesellschaftskritisch ist, wie wir Frauen uns als Kollektiv fühlen. Als ich das Album neulich im Dunkeln auf meinem Bett hörte, war ich das erste Mal verwundert, dass mich Rap wirklich berühren konnte. Als ich um halb 2 die Kopfhörer aus den Ohren nahm, realisierte ich warum. Vorher hatte es immer eine Hemmung gegeben, eine Wand, die mir untersagte, mich Rap wirklich hingeben zu können. Weil ich wusste, er war nicht für mich. Kein Capital Bra, kein UFO, nicht 187 - niemand aus der deutschen Rapszene ließ mich teilhaben, erlaubte mir Identifikation mit den Zeilen, die mir nicht galten. Bitches brauchen Rap. Und jetzt bekommen wir ihn endlich.
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